Weniger chinesische Investitionen in Deutschland: Kuka-Schock sitzt tief

Die Expansion chinesischer Investoren ist 2018 deutlich erlahmt. Dass das Engagement nicht regelrecht einstürzte, ist nur dem Einzeldeal eines chinesischen Milliardärs zu verdanken, der bei Daimler eingestiegen war.

Der Einstieg chinesischer Investoren bei Kuka hat eine heftige Debatte ausgelöst, ob Deutschland Unternehmen in Schlüsselindustrien besser vor Übernahmen schützen muss.
(Foto: Kuka)

Das Interesse chinesischer Firmen an deutschen Unternehmen ist 2018 deutlich gesunken. Nach Daten der Beratungsgesellschaft EY gab es 34 Übernahmen oder Beteiligungen durch Unternehmen aus China, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Donnerstag berichtete. Das sei der niedrigste Wert seit fünf Jahren und eine Halbierung gegenüber dem Höhepunkt 2016. Im vergangenen Jahr hatte es EY zufolge 54 Transaktionen gegeben, 2016 waren es noch 68.

Eine Erholung ist EY zufolge vorerst nicht in Sicht. »Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl im kommenden Jahr stabilisiert«, sagt Yi Sun, die für das China-Geschäft verantwortliche EY-Managerin, dem Blatt. »Bis wir dann wieder einen leichten Anstieg erleben, wird es noch ein wenig dauern.«

Das Transaktionsvolumen sank demnach von rund 13,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf etwas mehr als 10,2 Milliarden Dollar 2018. Mehr als umgerechnet acht Milliarden Dollar entfielen dabei den Angaben zufolge auf den Einstieg des chinesischen Milliardärs Li Shufu beim Autokonzern Daimler. Über einen Sitz im Aufsichtsrat könnte dann der Investor Kenntnis von Betriebsgeheimnissen wie langfristige Produktstrategien oder Marktpositionierung gerlangen.

Die Bundesregierung hatte kurz vor Weihnachten zum Schutz vor Spionage und des geistigen Eigentums die Hürden für ausländische Investoren erhöht. Mit einer Änderung der Außenwirtschaftsverordnung senkte das Kabinett für sensible Bereiche die Schwelle, ab der die Bundesregierung einen Anteilserwerb durch einen Investor prüfen kann. Das bezieht sich auf Investoren außerhalb der Europäischen Union. Auch wenn im zuständigen Bundeswirtschaftsministerium betont wurde: »Es ist keine Lex China«, sorgten zuletzt Einstiegsversuche chinesischer Investoren für Bauchschmerzen bei der Bundesregierung.

Das Gesetz wurde maßgeblich angestoßen durch den Einstieg des chinesischen Haushaltsgeräte-Konzerns Midea beim Augsburger Roboterhersteller Kuka. 2016 hatten die Chinesen für 95 Prozent der Anteile an Kuka 4,5 Milliarden Euro gezahlt. Kuka ist auf dem Feld der Industrie-Robotik ein Pionier und Innovationstreiber. Wirtschaftspolitisch ist zu befürchten, dass deutsches Know-how in Schlüsselindustrien wie dem Maschinenbau durch Akquisitionen ins Ausland abfließen könnte.