CEBIT-Deutschland schafft sich ab: Große Dummheit

Gedanklich schwebte in den letzten Jahren über jeder CEBIT das Ende dieser Messe. Wie konnte es jetzt aber tatsächlich soweit kommen?

»Machen Sie diese CEBIT zu dem bedeutendsten Platz in der Welt, wo über digitale Innovationen diskutiert wird«. Sprachs‘, als wäre es nicht seine Aufgabe als Bundeswirtschaftsminister. Peter Altmaier im Juni 2018 auf der CEBIT-Eröffnung.
(Foto: Deutsche Messe AG)

Nach der Bekanntgabe des radikalen Umbaus, bereits Mitte der letzten CeBIT ihrer Art im März 2017, verdichtete sich die Sorge um die Zukunftsfähigkeit dieser IT-Leitmesse in und aus Deutschland. Wie wohltuend waren die Sätze des Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der gleich zu Anfang in seiner begeisternd-lockeren Eröffnungsrede zur neuen CEBIT sagte: »Es wäre eine große Dummheit sondergleichen, wenn wir dieses große Geschenk der CEBIT nicht bewahren und ausbauen würden. Es ist ein großer Brand von Deutschland und das muss es auch in Zukunft bleiben«.

Die große Dummheit ist nun eingetreten – für viele überraschend: die im Messebeirat vertretenen Aussteller, den Branchenverband Bitkom, die Politik. Die Frage stellt sich: Wer und was ist schuld an dieser großen Dummheit? Man kann das Aus der CEBIT geschäftsmäßig abhaken, man kann daraus aber auch viel lernen über Beharrung und Begeisterung in einer ökonomischen Phase, die mit der digitale Transformation oft genug als Paradigmenwechsel beschrieben wird.

Wie eine Wertberichtigung
Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender des CEBIT-Veranstalters Deutschen Messe AG, hat mit wenigen Sätzen in dem dürren Pressestatement alles zerstört, was sein CEBIT-Team in den letzten Jahren an Veränderungswillen, Mut und Entschlossenheit gezeigt hat. Er hat diese Messe buchhalterisch wie eine Wertberichtigung abgeschrieben: Negativtrend bei den Flächenbuchungen, Abwärtstrend der Besucherzahlen, CEBIT-Themen »überführen, die zur klaren Ausrichtung der Hannover Messe passen«. Sein Kollege Oliver Frese, zuständiger CEBIT-Vorstand, hat bis zur persönlichen Erschöpfung für den CEBIT-Wandel gekämpft, viel und vieles angestoßen. Nicht alles klappte auf Anhieb, mit einer schnellen Wende rechnete auch niemand.

Dass selbst er angesichts stark rückläufiger Flächenvorbuchungen für die CeBIT 2019 die Einstellung der Messe als »richtig und notwendig« bezeichnet, zeigt vor allem eins: Auch Frese unterschätzte die Aufgabe, eine Leitmesse ins Neue drehen zu wollen, zugleich aber nach wie vor getrieben zu sein von Kennzahlen einer Traditionsmesse, die in ihrer Struktur unverändert auf Größe und Masse ausgerichtet ist.

Frese und sein CEBIT-Team haben inhaltlich einige gute Akzente gesetzt, sie haben mental und kulturell diese digitale Transformation gelebt und sogar mutig versucht, sie in ihren behördenähnlichen Apparat zu tragen. Sie haben einen Fehler nicht gemacht, den CRN ein Jahr vor dem CEBIT-Aus über den Wandel von Traditionsmessen andeutete: »Von Technologie getriebene Disruption und ihre teils dramatischen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft, solche Paradigmen kann man als Event-Veranstalter so nicht zeigen und diskutieren wollen, als ginge einem dieser rasante Fortschritt in eigener Sache nichts an.«

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Kommentare (3) Alle Kommentare

Antwort von Gustaf G. , 15:51 Uhr

Ob man Messen braucht oder nicht steht hier nicht zur Debatte, eine Messe ist und bleibt eine B2B Plattform.

Die Verantwortlichen der „Hannover Messe“ sollten sich mal Gedanken machen, den Ihre FINAZPOLITIK ist der Dolch, der die CeBIT zum Scheitern brachte…

Wenn man 100€ (CeBIT 2018) Eintritt nimmt, und dann verkündet die Besucherzahlen gehen zurück, dann sollten sich die Herren der „Hannover Messe“ wieder die Schulbank drücken, um zu erfragen wie man das macht.

Erst treibt man die Privatpersonen aus der Messe, und dann die Aussteller wegen zu hohen Standmieten…

Antwort von Martin , 15:27 Uhr

Wer braucht heute noch Messen? In den 80ern und 90ern waren solche Messen nötig, da es kein Internet gab. Mein Vater als IT-Leiter rannte im Oktober jedes Jahr zur Orgatec, um dort die neueste Mainframe von IBM zu bewundern. Man konnte sie dann bestellen und hatte ein Lieferdatum von Juni des Folgejahres. Wenn dann wirklich bis Dezember geliefert wurde, hatte man Glück.

Heute klickt man einmal und will die Ware am besten gestern haben. Anschauen, vergleichen - alles virtuell. Die Cebit und ähnliche Mammut-Messen waren schon lange tot. Nun hat man sie endlich zu Grabe getragen. Braucht kein Mensch!

Antwort von Andreas Weber , 15:11 Uhr

Man sollte sich mal die Preise und die Steigerung, die den Ausstellern berechnet wurden, anschauen. Vielen Dank auch an unsere IT-begeisterten Politiker. Für die war die CEBIT wohl auch Neuland?