CRN-Interview mit Christian Keil von NetApp: »HCI hat ein ähnliches Potenzial wie die Cloud«

Zwar startete NetApp recht spät auf dem HCI-Markt, ist dort mittlerweile aber sehr erfolgreich. Christian Keil, Manager Cloud Infrastructure beim Hersteller, nennt das »die Gnade der späten Geburt«, weil man Fehler der ersten HCI-Systeme vermeiden konnte.

Christian Keil, Manager Cloud Infrastructure bei NetApp
(Foto: NetApp)

CRN: Wie hat sich die Nachfrage nach hyperkonvergenten Systemen in den vergangenen Monaten entwickelt?

Christian Keil: Die Nachfrage nach Hyperconverged Infrastructure hat sich sehr rasant entwickelt. Wir spüren am eigenen Leib einen großen Zuspruch aus dem Markt für diese Lösungen. Analysten wie die IDC, Gardner & Co. schätzen die Situation auch so ein, wonach immer mehr Unternehmen HCI kaufen. Dieses Marktsegment hat ein ähnliches Potenzial wie die Cloud. Mittlerweile beobachten wir im EMEA-Raum, dass Unternehmen ganz gezielt HCI als Lösung für ihre Infrastruktur ausschreiben.

CRN: Was versprechen sich Unternehmen von Hyperconverged-Lösungen?

Keil: Unternehmen streben die Fähigkeit an, mit HCI IT-Services schneller und einfacher bereitstellen zu können. Sie wollen all das, was die Cloud verspricht, auch lokal On-Premises erleben.

CRN: Für welche Workloads eignen sich die Systeme am besten?

Keil: Die NetApp-HCI, die wir im vergangenen Herbst an den Start gebracht haben, eignet sich grundsätzlich für jeden Workload. Den größten Mehrwert für den Anwender sehen wir darin, die Lösung in Multi-Workload-Umgebungen einzusetzen. Natürlich kann eine Firma einen speziellen Service ausgliedern und auf unserem System konsolidieren. Die Stärken kommen jedoch am besten zum Tragen, wenn jemand sein Rechenzentrum für die nächsten zwei bis fünf Jahre auf HCI überführen will.

CRN: Schaffen Kunden hyperkonvergente Systeme eher für neue Workloads und neue Projekte an oder eher um bestehende Infrastruktur abzulösen?

Keil: Hier hält es sich die Waage. Wir haben Kunden, die schaffen sich HCI an, um damit zu lernen, ob diese Technologie die bestehende Infrastruktur ablösen kann. Die andere Hälfte will zunächst neue Workloads, neue Projekte umsetzen, sei es Service schneller, einfacher und generischer bereitzustellen oder Container zum Laufen zu bringen. Was beide Gruppen eint: Sie wollen Erfahrung mit der Technologie sammeln und selbst herausfinden, ob die Marketingflyer und -folien halten, was sie versprechen. Im nächsten Schritt vertrauen unsere Kunden der Lösung, sie erweitern und lösen ihre Infrastruktur nach und nach ab.

CRN: Geht es um die Modernisierung von IT-Infrastrukturen, stehen meist geschäftskritische Workloads im Vordergrund. Sind hyperkonvergente Systeme auch eine Lösung für weniger heiße Workloads, etwa Backups oder die File Shares von Mitarbeitern?

Keil: Ein klares Ja. Mit unserer Lösung lassen sich auch relativ kalte Workloads abdecken, wozu die Optionen des »NetApp Data Fabric«-Konzepts entscheidend beitragen. Bleiben wir beim Beispiel Backup & Recovery. Eine Firma erreicht Redundanz, indem es eine große und eine kleine HCI anschafft und Data Fabric nutzt. Über diese werden auf dem kleinen System an einem anderen Standort die Anwendung gesichert und im K-Fall von dort gestartet. Oder ein Anwender sichert die Backups auf einem nachgelagerten System, um preiswerter alle Backups zu fahren. Und File-Service können wir direkt in einer HCI-Umgebung oder auf einem sekundären System bieten, welches nicht die große Performance hat, die aber für File-Shares auch nicht nötig ist.

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