Editorial CRN 28/2018: Mächtige Sprachwaffen

Framing ist wahrscheinlich so alt wie es Sprache gibt. Simplifizierung, schlimmer noch: Verbrämung und kalkulierte Blendung macht sie für populistische Politik zur mächtigen Sprachwaffe. Und das nicht nur für Politiker.

Werbetexter, Politiker, aber auch Journalisten greifen gerne bildhafte Wörter und Komposita auf. Komplizierte Sachverhalte sollen so auf eine wesentliche Information oder Botschaft reduzieren werden, von der dann alle reden. Im sogenannten Framing schwingt zwischen den Zeilen immer ein eingebetteter »Subtext« mit, der vom Leser mitgedacht wird. Ziel solcher Framing-Komponisten ist es, mittels Sprachlenkung positive oder negative Konnotationen zu verstärken, oft auch ins Gegenteil zu verkehren.

Platz für Differenzierungen und Abwägungen gibt es bei einer solchen mächtigen Sprachwaffe nicht. Framing ist das Mittel der Wahl vor allem für Simplifizierung, schlimmer noch: für Verbrämung, Täuschung und kalkulierte Blendung. Wer unter dem Eindruck drohender Wählerverluste »Asyltourismus« und »Asylgehalt« in die Öffentlichkeit »einzubetten« versucht, verrät, dass man selbst als »christlich-sozialer« Unionspolitiker vor widerwärtigstem Framing nicht zurückschreckt.

Framing funktioniert freilich auch außerhalb des sozialideologischen Raums, im Umfeld einer geschickten PR-Industrie. Sie macht aus Krankenkassen Gesundheitskassen, aus einem wenig rentablen Sparvertrag eine Ausbildungsversicherung, die bei Nichtabschluss den Vorwurf der Rabenelternschaft in sich trägt.

Erstaunlich ist es daher nicht, dass gerade Händler für gebrauchte Software ein immer noch negatives Image abzuschütteln versuchen, indem sie beim wichtigen Nachweis einer lückenlosen Lizenzkette die Blockchain ins Spiel bringen. Wer gebraucht kauft, kann trotz einer nahezu schon mythisch verklärten Technologiegläubigkeit die »Katze im Blockchain-Sack« kaufen, räumt CRN-Experte Lars Bube mit so einigen Blockchain-Mythen auf.

Eine kreativ-schaffende, Wissen teilende und in ihren Anfängen auch altruistische Gemeinschaft ist die Opensource-Community. Das Gegenstück dazu: Microsoft. Das war einmal so oder gilt es unverändert weiter? Was hinter der »Liebe« des weltgrößten Softwareherstellers zur freien Software-Bewegung steckt, lesen Sie hier.

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur