CRN-Interview: »Viele Digitalprojekte sind bereits live oder kommen bald«

Bei Cisco spielt das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits eine wichtige Rolle. Uwe Franke, Leiter Gesundheitswesen, Cisco Deutschland, erläutert im CRN-Interview, wie der IT-Konzern diesen Markt zusammen mit seinen Partnern adressiert.

Uwe Franke, Leiter Gesundheitswesen bei Cisco Deutschland
(Foto: Cisco)

CRN: Jüngst hatte der AOK-Chef Martin Litsch die elektronische Gesundheitskarte für gescheitert erklärt – trotz Investitionen von bislang insgesamt zwei Milliarden Euro. Im eHeath-Gesetz von 2015 spielt diese Karte aber nach wie vor eine zentrale Rolle. Glauben nur noch Politiker und IT-Hersteller an die Digitalisierung im Gesundheitswesen, die Branche selbst dagegen nicht mehr?

Franke: Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen gibt es zahlreiche Veränderungsprozesse, deren Komplexität teils unterschätzt wurde. Trotzdem sehen wir viele Digitalprojekte, die bereits live sind oder bald kommen. Zum Beispiel bildet die elektronische Patientenakte – nicht zu verwechseln mit der elektronischen Gesundheitskarte – quasi die Autobahn für viele digitale Lösungen, um die Patienten besser zu versorgen.

Nach der Digitalisierung anderer Branchen rückt jetzt das Gesundheitswesen zunehmend in den Fokus. Das geschieht aber nicht aus Selbstzweck, sondern aus demselben Grund wie bei den anderen Branchen: Neue Technologien ermöglichen sinnvolle Veränderungen. Ein Umdenken zu patientenzentrierten Lösungen eröffnet auch im komplexen, stark regulierten Umfeld des Gesundheitswesens vielfältige Chancen. Davon werden alle Akteure des Gesundheitswesens profitieren, insbesondere jedoch die Patienten. Große Veränderungen komplexer Systeme brauchen zwar Zeit, aber sie finden statt.

CRN: Gesundheitsminister ist auch deswegen laut Ex-Ministerin Ulla Schmidt der schwierigste Job der Republik, weil man so viele Akteure unter einen Hut bringen muss. Wie schafft man da Akzeptanz für E-Health?

Franke: Im Gesundheitswesen ist eine Vielzahl von Akteuren in einem beziehungsreichen Zusammenspiel miteinander verbunden, dadurch entsteht ein komplexes System. Häufig arbeiten Bereiche zwar effizient, aber auch als abgeschlossenes Silo. Das heißt nicht, dass keine Veränderungen möglich sind. Man braucht dazu aber die richtige und eine konsequent umgesetzte Strategie.

Patienten akzeptieren bereits eHealth. Das zeigt sich etwa an den zahlreichen verwendeten Fitness- und Healthcare-Apps oder dem Interesse an digitalen Services. Eine Lösung wird akzeptiert, wenn sie einen konkreten Nutzen bietet. Ein intelligentes, sicheres Management von Gesundheitsinformationen kann nicht nur Prozesse effizienter machen, sondern die Menschen besser versorgen, die Lebensqualität erhöhen und auch Leben retten.

Zum Beispiel ließen sich Chemotherapien nur dann einsetzen, wenn sie aufgrund der individuellen Konstitution tatsächlich wirken. Ein intelligentes, digital gestütztes System könnte gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten vermeiden. Ein kritischer Zustand eines Patienten mit Organtransplantaten oder Herzinsuffizienz ließe sich jederzeit in Echtzeit feststellen. Außerdem könnten erfahrene Ärzte Patienten ortsunabhängig helfen.

In der öffentlichen Diskussion werden häufig einseitig die Risiken betont. Doch gerade solche und ähnliche Beispiele für den konkreten Nutzen würden die Akzeptanz für sinnvolle Maßnahmen deutlich erhöhen.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Dieter Rittinger , 12:11 Uhr

Recht hat er, der Herr Franke! Vom Miesmachen ist noch nie iegend etwas auch nur einen Schritt näher an ein Ziel gekommen. Wissen, Geld, Potential, Handlungsdruck- alles ist ausreichend vorhanden, um jetzt die erforderlichen Gestaltungsoptionen positiv zu nutzen. Sofern nicht wieder jeder für sich herumpuzzelt, könnte sogar Wegweisendes dabei herauskommen….Weshalb genau das dann doch nicht passiert, ist eines der ehealth-Rätsel, welchem wir gern auch im Gedanken-Austausch auf die Spur kommen wollen.