Wenn Konzerne kooperieren, gründen und investieren: Das Experiment mit der digitalen Transformation

Geht es um die Digitalisierung in großen Konzernen, ist oftmals von trägen und vom Aussterben bedrohten Dinosauriern die Rede. Dabei setzen viele der Branchen-Schwergewichte bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle auf die Hilfe von Startups und sind damit ziemlich innovativ unterwegs.

Die Deutsche Post hat bereits 1.000 der elektrischen Streetscooter im Einsatz

Mit disruptiven Ideen und innovativen Geschäftsmodellen setzen Startups in allerlei Branchen alteingesessene Schwergewichte unter Druck. Viele von diesen werden aufgrund ihrer langen Entscheidungswege und ausufernden Bürokratie als vom Aussterben bedrohte Dinosaurier bezeichnet: zu langsam und zu träge, um die eigenen Geschäftsprozesse auf die sich schnell ändernden Rahmenbedingungen einzustellen. Daher setzten viele der großen Konzerne verstärkt auf junge Unternehmen, um Prozesse zu beschleunigen und bei neuen Technologietrends auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Manche gehen dabei auch ungewohnte Wege, beispielsweise die Deutsche Post.

Der gelbe Riese hat in diesen Tagen seinen 1.000. Streetscooter in Dienst gestellt, einen Elektro-Transporter, der mit seiner eher geringen Reichweite und großen Ladefläche genau auf die Bedürfnisse eines Post- und Paketlieferers zugeschnitten ist. Mit den Fahrzeugen will die Post nicht nur ihre Klima-Bilanz aufhübschen, sondern mittelfristig die gesamte 70.000 Wagen umfassende Flotte ersetzen. Hergestellt werden die Streetscooter vom gleichnamigen Spinn-off der RWTH Aachen. 2010 wurde das Startup mit der Idee gegründet, Elektromobilität auch bei kleineren Stückzahlen wirtschaftlich attraktiv zu machen. 2014 erfolgte dann die Übernahme durch die Post. Bis 2017 soll die Produktion der Elektro-Transporter allmählich auf 10.000 Streetscooter pro Jahr hochgefahren werden.

Das Projekt hat laut Post-Chef Frank Appelt die Gewinnschwelle bereits überschritten. Offen ist hingegen, ob der Konzern künftig auch unter die Autohersteller gehen wird und die Streetscooter an Dritte verkauft. Während sich die klassischen Automobilkonzerne mit dem Thema Elektromobilität noch schwer tun und einen Tesla-Pendant mit allerlei Schnickschnack entwickeln wollen, ist es der Post mit Hilfe eines Startups gelungen, für die eigene Elektromobilitätslösung eine Nachfrage zu generieren. So bekunden bereits Handwerksbetriebe oder Kommunen ihr Interesse, mit dem Elektro-Transporter der Post ihre Flotte umrüsten zu wollen.

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