Unendlicher Speicherplatz für 70 Euro: Amazon startet Speicher-Flatrate

Für 70 Euro pro Jahr können Amazon-Kunden in Deutschland ab sofort unbegrenzt Cloud-Speicherplatz auf dem »Drive«-Dienst nutzen.

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Amazon bietet seinen Kunden ab sofort eine Onlinespeicher-Flatrate an. Für eine Jahresgebühr von 70 Euro (USA: 59,99 Dollar) können sie so viele Dateien wie sie wollen auf dem Cloud-Speicher Amazon Drive ablegen. Anschließend können die Nutzer von fast überall wo sie einen Internetzugang haben, über ihren Amazon-Account wieder darauf zugreifen und so per zentralem Cloud-Ablageplatz ganz einfach den Speicher ihrer Geräte vom Smartphone über den PC bis hin zum Smart-TV erweitern und synchronisieren. Medien-Dateien wie Bilder können per App auch direkt von Mobilgeräten auf dem Drive gesichert werden und sind dort dank automatischer Sortierungsfunktionen leicht wieder auffindbar. Wirklich außergewöhnlich an dem Angebot ist jedoch, dass der Etailer dabei nach eigenen Angaben weder den verfügbaren Speicherplatz noch die Art der erlaubten Daten limitiert. Dadurch ist das Angebot deutlich günstiger als bei den großen Konkurrenten. So verlangen beispielsweise Apple und Google monatlich 10 Euro pro TByte Cloud-Speicherplatz. Amazon dürfte mit dem Angebot insbesondere den Wettbewerb mit Google anstacheln. Bislang hatten beide Anbieter ihren Kunden lediglich für Fotos unbegrenzten Speicherplatz eingeräumt. Zudem lockt Amazon die Kunden, zu denen auch kleine Unternehmen zählen sollen, mit einer kostenlosen dreimonatigen Testphase von den Mitbewerbern in seine unbegrenzte Speicher-Cloud.

Man darf gespannt sein, wie wörtlich die Kunden dieses generöse Platz-Angebot nehmen werden. Immerhin hatte auch Microsoft vor zwei Jahren den Nutzern von Office 365 schon vollmundig »unbegrenzten« Speicher im OneDrive versprochen. Wenige Monate später ruderte das Unternehmen aufgrund der angeblich exzessiven und »missbräuchlichen« Nutzung einiger Kunden allerdings wieder zurück und reduzierte den kostenlos im Office-Paket verfügbaren Speicherplatz wieder auf ein TByte – sehr zur Freude der spöttelnden Konkurrenz. Wer kein Office 365-Paket für sieben Euro pro Monat nutzt, muss bei Microsoft sogar 40 Euro pro Monat für ein TByte auf dem OneDrive berappen. Es scheint allerdings unwahrscheinlich, dass Amazon ein ähnlich peinliches Schicksal mit dem Angebot droht. Selbst wenn einzelne Nutzer das Angebot ausreizen, dürfte das kein ernsthaftes Problem für die gewaltigen Speicherzentren von Amazon darstellen. Zudem werden die Speichermengen meisten Kunden wohl im normalen Rahmen, der meist deutlich unter einem TByte liegt, bleiben, so dass die Mischkalkulation aufgehen und neue Kunden zum Online-Riesen bringen dürfte.