EU-Untersuchung: Online-Händler grenzen ausländische Kunden aus

Von einem digitalen Binnenmarkt ist die EU weit entfernt, denn oft verkaufen Online-Händler nur innerhalb der Landesgrenzen. Einer Untersuchung der EU-Kommission zufolge betrifft das nicht nur digitale Inhalte, sondern auch Kleidung, Elektronikartikel und andere Gebrauchsgüter.

Im vergangenen Mai hatte die EU-Kommission eine kartellrechtliche Untersuchung des elektronischen Handels eingeleitet, um Hindernisse beim grenzüberschreitenden Online-Shopping zu ermitteln. Dafür wurden mehr als 1.400 Einzelhändler und Anbieter digitaler Online-Inhalte aus allen 28 Mitgliedsstaaten befragt. Das Ergebnis: Sowohl beim Verkauf von digitalem Content als auch von Gebrauchsgütern gehört der Ausschluss von Verbrauchern aus anderen Ländern zum Alltag. Damit würden sich die Hinweise, welche die Kommission zur Einleitung der Untersuchung veranlasst hätten, bestätigen, sagte die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager.

Von den befragten Verkäufern, die digitale Online-Inhalte anbieten, verwehren mehr als zwei Drittel (68 Prozent) ausländischen Kunden den Zugang. In der Regel setzen sie auf Geoblocking, also das Aussperren von Nutzern mit IP-Adressen aus bestimmten Regionen. Zumeist geschieht das, weil sie von den Lieferanten der Inhalte vertraglich dazu verpflichtet sind. Allerdings gebe es große Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten und den verschiedenen Kategorien digitaler Inhalte, so die Kommission. Vor allem bei TV- und Kinofilmen sowie Sportübertragungen kommt demnach Geoblocking zum Einsatz. Bei Musikangeboten ist die Verbreitung deutlich geringer und bei Nachrichteninhalten am niedrigsten.

Darüber hinaus verkaufen aber auch 38 Prozent der Einzelhändler, die Gebrauchsgüter wie Kleindung, Schuhe, Sportartikel oder Unterhaltungselektronik anbieten, nicht ins Ausland – etwa indem sie die Lieferung dorthin oder die Annahme von Zahlungen aus anderen Ländern verweigern. Häufiger als die IP-Adresse werden hier Postadressen oder die zu Kredit- und Debitkarten hinterlegten Informationen zur Lokalisierung herangezogen. Über die IP-Adresse wird dagegen bisweilen ein Redirect in einen länderspezifischen Online-Shop durchgeführt.

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Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von Daniel , 07:42 Uhr

Die EU sagt doch ganz klar, solange der Händler die Entscheidung - aus was für Gründen auch immer - selbst getroffen hat, sei das kein Wettbewerbsverstoß. Nur in den Fällen, in denen Verträge den Verkauf ins Ausland verbieten, müsse man prüfen, ob das zulässig ist.

Antwort von Ein ausgrenzender Händler , 05:36 Uhr

Es ist fragwürdig, wie dieser Artikel recherchiert wurde.

Kleinen Händlern, die es sich nicht leisten können, für jedes einzelne (!) EU-Land entsprechende Registrierungen abzuschließen und 3 bis 4stellige Beträge pro Jahr je Land zu bezahlen, um dort legal Elektronik-Artikel zu verkaufen, grenzen kein Land absichtlich aus.

Es rechnet sich schlichtweg nicht.

Und verursacht hat das wer? Die EU und diverse Entscheidungsträger, die sich mit der RoHs/WEEE-Geschichte was Geniales ausgedacht haben, um kleinere Händler vom EU-Handel auszuschließen.

Will man die 10 gängigsten EU-Länder bedienen, kann man von gut 12-15.000 Euro Kosten ausgehen, von der dadurch entstehenden Bürokratie noch gar nicht gesprochen.

Das im Artikel total zu ignorieren und dann noch seitens der EU anzukündigen, das man dagegen eventuell "wettbewerbsrechtlich vorgehen werde", ist Ironie pur.

Ein frustrierter Händler, der nach wie vor seinen EU-Stammkunden oft erklären muß, dass sich aus genannten Gründen eine Belieferung leider ausschließt.