CRN-Interview mit Strato-CEO Christian Böing: »Im klassischen Hosting spüren wir internationale Anbieter wie Google nicht«

Im Interview mit CRN erklärt Strato-CEO Christian Böing, warum der Hosting-Markt weiter wächst und er trotz Konkurrenz durch große Cloud-Anbieter entspannt bleibt. Außerdem spricht er über die steigende Bedeutung von Systemhäusern für den deutschen Webhoster.

»Würden wir unsere Dienste bei AWS hosten, wären unsere Kosten längst explodiert«

CRN: Welche Rolle spielen Cloud-Angebote im Hosting-Geschäft mittlerweile?

Böing: Flexible Cloud-Angebote wie Amazon AWS haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Kunden nutzen sie vor allem, um Lastspitzen abzufangen. Für geschäftskritische Anwendungen oder Anwendungen mit einer konstant hohen Auslastung setzen Kunden aber weiterhin auf Infrastrukturen klassischer Hoster – vor allem, weil sie auf Dauer deutlich günstiger sind. Daraus ergibt sich häufig ein Hybrid-Modell, sodass Kunden am Ende auf beides setzen: auf die Infrastrukturen von Cloud-Anbietern und von Hostern.

Bei ihrer Entscheidung haben Kunden vor allem die Kosten im Auge: Die volle Flexibilität der Cloud lassen sich Hyperscaler entsprechend bezahlen. Hier können wir als Hoster punkten. Wie günstig wir bei Strato sind, hat eine Rechnung gezeigt, die wir vor kurzem zum Vergleich erstellt haben: Würden wir unsere Dienste bei Amazon AWS hosten, wären unsere Kosten längst explodiert – sie wären 20 Mal so hoch.

CRN: Ist das Business durch große internationale Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google härter geworden?

Böing: Für den Infrastructure-as-a-Service-Markt trifft das zu. Dort sehen wir, dass ein Teil unseres Geschäfts durch Cloud-Angebote unter Druck gerät. In den anderen Produktbereichen, zum Beispiel bei den Domains und im klassischen Hosting-Markt, spüren wir internationale Anbieter wie Google nicht. Auch wenn der Tod der Hosting-Branche immer wieder prophezeit wird, bin ich relativ entspannt. Die Dienste internationaler Anbieter werden nie so länder- und kundenspezifisch sein wie unsere. Nur bei uns finden Kunden unter einem Dach und unter einem Service-Erlebnis die gesamte Palette von der Domain bis zur individuellen Hosting-Lösung.

CRN: Wie differenziert man sich als deutscher Webhoster von den großen Cloud-Anbietern?

Böing: Wir unterscheiden uns durch unsere Kundennähe und durch eine andere Proposition von großen, internationalen Cloud-Anbietern. Wir haben außerdem ein anderes Produktportfolio, verarbeiten Daten nach deutschem Recht – einem der sichersten in Bezug auf den Datenschutz weltweit, und bieten einen umfangreichen, mehrfach ausgezeichneten Kundenservice. Unseren Kundenservice gibt es in deutscher Sprache und er ist über viele Kanäle erreichbar, zum Beispiel per Telefon, Mail-Formular oder Social Media. Für Managed Hosting-Kunden gibt es persönliche Ansprechpartner, Service-Level-Agreements und eine 24/7-Hotline. Und am Ende spielt natürlich auch der Preis eine Rolle: So günstig, wie wir Shared Hosting anbieten, kann das kein anderer. Nicht umsonst gehört unsere Plattform zu den größten zusammenhängenden Shared Hosting-Plattformen weltweit.

In Summe haben große Cloud-Anbieter den Markt aber deutlich nach vorn gebracht: Davon profitiert die ganze Branche – auch wir.

CRN: Sind klassische Server oder Shared Hosting-Angebote ein Auslaufmodell?

Böing: Weder Shared Hosting noch Server sind ein Auslaufmodell. Shared Hosting ist genau die richtige Lösung für kleine Unternehmen – auch in der Zukunft. Bei Servern bieten uns die dedizierten Server zwar keine große Wachstumsperspektive mehr, das gleicht die hohe Nachfrage nach virtuellen Servern aber wieder aus. Der Trend zur Virtualisierung hält an.