Neue Rolle für den IT-Chef: Der CIO als überforderter Service Broker

Auf den CIO kommen neue Aufgaben zu: Erfindet er die IT-Abteilung neu oder wird er zum Kindergärtner für die Mitarbeiter?

Der CIO hat immer mehr Aufgaben, Foto: alphaspirit/Fotolia

Der CIO hat seine besten Zeiten hinter sich. Längst entscheidet der IT-Chef nicht mehr allein, was mit den ohnehin knapp kalkulierten IT-Budgets angeschafft wird, sondern muss sich die Investitionen von den Fachabteilungen diktieren lassen. Marketing, HR und Controlling gehen mit Begeisterung – offiziell oder auch nicht ganz so offiziell – in der IT-Branche shoppen. Und geben die Budgets am liebsten für Cloud-Speicher, Smartphones und Social Media-Projekte aus.

Dass auf den CIO damit neue Aufgaben zukommen, versteht sich von selbst. Er muss Cloud-Strategien entwickeln, er muss Konzepte finden, wie sich mobile Lösungen in die Sicherheitsarchitektur integrieren lassen, er muss die Schätze heben, die im jahrelang gewachsenen Datenwust schlummern. Er muss Daten verwalten, analysieren, managen, schützen, migrieren und in Business-Nutzen transformieren.

Dafür gibt es schöne Worte: Der CIO wird zum Service Broker, zum Vermittler von Diensten, heißt es. Der CIO von heute kriecht nicht mehr unter den Schreibtisch und schraubt an den Rechnern der Mitarbeiter herum. Er erfindet die IT-Abteilung neu.

Doch was tut der CIO von heute ganz konkret? Seine Aufgaben könnten kaum herausfordernder sein. Er muss sicherstellen, dass kein Mitarbeiter Firmengeheimnisse auf dem USB-Stick aus dem Unternehmen schmuggelt. Er hat dafür zu sorgen, dass niemand im Unternehmensblog aus Versehen Firmengeheimnisse verrät. Er muss sich darum zu kümmern, dass kein Unbefugter die neuesten Erkenntnisse der Entwickler im unverschlüsselten Cloud-Speicher mitlesen kann. Es ist seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass die die Mitarbeiter ihre Smartphones nicht im Zug liegen lassen. Und wenn der CIO einmal genug hat von all seinen neuen Aufgaben und er einfach nur an seinen Servern herumschrauben möchte, dann muss er feststellen, dass es gar kein Rechenzentrum mehr gibt, dessen feuerfeste Tür er hinter sich zuknallen kann. Die Infrastruktur ist längst in der Cloud.