Pogotanz und Katzenberger: Your TV is watching you

Spione werden dieser Tage hinter jeden Ecke und jedem Internetanschluss vermutet. Doch eigentlich lauert die Gefahr schon in den eigenen vier Wänden.

Ihr TV hat sie immer im Blick (Foto: Fotograv A Gravante - Fotolia)

Nach NSA und MI6 spioniert uns jetzt also auch noch das Fernsehen aus, wie der Skandal um die aktuelle TV-Geräte-Generation des Herstellers LG zeigt. Ein britischer Entwickler deckte auf, dass die Smart-TVs der Koreaner Daten zum Sehverhalten der Nutzer erheben und an die Firmenzentrale in Seoul weiterleiten. Über den lautstarken Protest der Empörer, der sogleich ob solcher Datenschutzvergehen einsetzt, übersieht man ja gerne ein wenig, dass der Großteil der Bevölkerung auf diese Skandalnachrichten mit einer bezeichnenden Wurstigkeit reagiert: »Na und? Wo man reinschaut, kann man auch rausschauen – logisch, oder?«, meinen dann diese.

Zum Beispiel auch die Gamer, die sich über den zeitigen Erwerb der neuen Xbox One Kinect freuen. Der neuen Wunderkonsole gelingt nämlich ein weiterer bemerkenswerter Meilenschritt hin zur totalen Überwachungsindustrie: Der darin verbaute Bewegungssensor erfasst Körper- und Sprachdaten, ja sogar die Physiognomie aller im Raum befindlichen Personen und übermittelt die Daten an Microsoft. »Na und? Wie soll die Xbox sonst auch wissen, dass ich in die Hände klatsche und Pogo tanze, um sie einzuschalten?«, kontern die Wurstler.

Die klugen Geräte aber tun all dies, um der Werbung treibenden Industrie ein immer genaueres Bild zu vermitteln, wen sie da eigentlich genau adressieren. Guckt mal, der da so blöde reinglotzt, das ist euer Kunde!

Wenn dem wirklich so ist, möchte man aber nicht in der Werbung treibenden Industrie tätig sein. Was für eine Qual es sein muss, all die Live-Schaltungen aus deutschen Haushalten zu analysieren. Dort popelt ein vernachlässigter Dreijähriger in der Nase, hier lässt Vati, in seiner schmuddeligen Grobripp-Unterwäsche auf dem Sofa fläzend, die Gase fahren. Oder eben einen Gamer, der in die Hände klatscht und Pogo tanzt. Die aus den Daten gewonnen Erkenntnisse sind ähnlich desillusionierend wie eine Aufstellung der beliebtesten Suchbegriffe im Internet: Die Zuschauer interessieren sich vor allem für Daniela Katzenbergers Vorbau und Clips von Hundewelpen, die auf die Schnauze fallen. Die im Vergleich dazu kulturell beleckten Werbespots der TV-Geräte- und Spielekonsolenhersteller aber werden inhaltlich gar nicht mehr begriffen.