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Zukunft des Breitbandmarktes: Nach dem Fest droht schon der Kater

08. Dezember 2005, 00:00 Uhr   |  

Zukunft des Breitbandmarktes: Nach dem Fest droht schon der Kater. Marktforscher sehen im europäischen Breitbandmarkt derzeit ein rapides Wachstum. Deutschland hat dabei trotz der in absoluten Zahlen betrachteten hohen Verkäufe immer noch einiges aufzuholen, um zum europäischen Durchschnitt aufzuschließen. Während des Booms ziehen am Horizont aber schon dunkle Wolken auf.

Zukunft des Breitbandmarktes: Nach dem Fest droht schon der Kater

Die Neigung, sich einen Breitbandanschluss nach Hause zu holen, war in den meisten europäischen Märkten noch nie so hoch wie zur Zeit. »In vielen europäischen Märkten stellen wir derzeit eine rasch wachsende Durchdringung fest. Breitband hat dort tatsächlich den Sweet Spot seiner Wachstumsphase erreicht«, resümiert etwa Tim Gower, Enterprise Communications Analyst beim Marktforschungsunternehmen Datamonitor. In einigen Ländern beobachtete Datamonitor einen Anstieg der Durchdringung gemessen an der Zahl der Haushalte von zehn Prozent. Gleichzeitig stellt Gower aber auch fest, dass Service Provider gut positioniert sein müssten, um von der erwarteten raschen Zunahme zu profitieren, denn die folgende Abschwächung des Wachstums sei unausweichlich: Mehr als 60 Prozent der Haushalte seien auch in fortgeschrittenen Märkten nicht an Breitband interessiert.

Sogar noch etwas zurückhaltender sind die Marktbeobachter von Mercer Management Consulting. Sie glauben, dass 2010 der europäische Durchschnitt bei 43 Prozent liegt. Die Niederlande mit prognostizierten 54 Prozent liegen dabei ganz vorne, Irland mit 31 Prozent bildet das Schlusslicht unter den elf untersuchten Ländern. Deutschland soll, so Mercer, bis 2010 zum europäischen Durchschnitt aufgeschlossen haben, 44 Prozent der Haushalte hätten dann Breitbandanschluss. Ende 2004 waren es noch 18 Prozent, damit lag Deutschland lediglich vor Irland (zehn Prozent), aber noch hinter Italien (21 Prozent), Spanien (22 Prozent) und Österreich (24 Prozent) abgeschlagen auf dem vorletzten Rang (siehe dazu auch die Grafiken auf Seite 46, Datenblatt, in der Printausgabe)

Digital Subscriber Line (DSL) sehen die Marktforscher nahezu unisono als die dominierende Technologie für den Breitbandzugang an. DSL verweist auf Europaebene dabei die möglichen Alternativen ? Kabel, Fixed Wireless, Satellit, Breitband über Powerline und Fiber-to-the-home ? auf die Plätze.

Derzeit stellt Datamonitor in Frankreich, Norwegen und den Niederlanden die höchste DSL-Durchdringung in Europa fest. Ein leicht anderes Bild ergibt sich, wenn man wie die Mercer-Marktforscher die Durchdringung mit allen Breitband-Technologien betrachtet. Zwar sind auch dabei die Niederlande mit 45 Prozent der Haushalte führend, Dänemark und Belgien, mit 39 beziehungsweise 38 Prozent der Haushalte, können sich dank der hohen Verbreitung von Kabel in diesen Ländern aber noch vor Schweden (32 Prozent) und Frankreich (27 Prozent) schieben. Deutschland hat trotz der hohen absoluten Verkaufszahlen gesehen am Anteil der Haushalte mit 18 Prozent Breitbandversorgung immer noch Nachholbedarf. Die Mercer-Analysten führen das auf fehlenden Wettbewerb auf der Infrastrukturseite, die geringe Zahl an Anbietern mit meist nur geringer Marktpräsenz, die gemessen an anderen Ländern hohen Zugangspreise und die Kopplung des DSL-Zugangs an den Telefonanschluss zurück. Bewegung ist in den Markt jedoch durch das DSL-Resale-Angebot der Deutschen Telekom Mitte 2004 gekommen.

Allein im ersten Halbjahr 2005 stellte Mercer einen Anstieg der Breitbandhaushalte in Deutschland um 16 Prozent fest: Acht Millionen oder 21 Prozent hatten Mitte des Jahres einen breitbandigen Internetzugang. Da in den nächsten zwei oder drei Jahren das Gesamtpotenzial an Breitbandanschlüssen in Deutschland von Mercer auf nicht mehr als 20 bis 22 Millionen geschätzt wird, ist damit aber bereits eine Marktsättigung von rund 80 Prozent erreicht.

Rasanter Anstieg bei DSL

»Der Breitbandanschluss wird zum Commodity-Produkt. Eine Marktkonsolidierung ist absehbar. Geld lässt sich künftig nur noch über Größe verdienen«, fasst Alexander Mogg, Medienexperte bei Mercer Management Consulting, die Aussichten zusammen. Ein weiteres Problem für die Provider ist die Bescheidenheit der Kunden: Gerade zwei Prozent der deutschen DSL-Kunden nutzen derzeit Bandbreiten von drei beziehungsweise sechs Megabit pro Sekunde. Für 2010 sollen es nicht mehr als dreizehn Prozent sein. Damit sind die Anwendungen, die von den Providern als Motoren des Breitbandmarktes gesehen werden ? Fernsehen und Video ? auch technisch immer noch einer Minderheit vorbehalten. Zudem ist das Interesse an diesen Inhalten gering: schnelles Surfen, Always-On, die Möglichkeit gleichzeitig zu telefonieren und zu surfen sowie der Wunsch Dateien auszutauschen, stehen auf der Wunschliste der Kunden ganz oben. Video-Streaming oder Online-Gaming waren nicht einmal bei fünf Prozent der Befragten Grund sich einen breitbandigen Anschluss zu kaufen. »Damit befinden sich die Breitbandanbieter in einem Dilemma«, konstatiert Mogg. »Hohe Bandbreiten sind die Voraussetzung für attraktive neue Inhalte, Dienste und Anwendungen, die dem Kunden eine neue TV- oder PC-Erlebniswelt eröffnen. Außer bei TV und Video zeichnen sich derzeit allerdings keine neuen breitbandigen Dienste ab, die den Netzbetreibern, Medienhäusern, Internetprovidern und Contentanbietern zusätzliche Erlösquellen bescheren.«

Mäßiges Interesse an Triple Play

Triple Play, also die Bündelung von Fernsehen, Sprache und Internet aus der Hand eines Providers, findet dementsprechend lediglich ein mäßiges Interesse beim Verbraucher. So stehen sogar über 60 Prozent der deutschen von Forrester im Rahmen einer europaweiten Studie befragten Verbraucher dem Thema uninteressiert oder bestenfalls gleichgültig gegenüber. Andererseits sind immerhin 49 Prozent der Breitbandnutzer unter den Befragten »interessiert« oder »sehr interessiert«. Bezahlen wollen sie dafür aber natürlich so wenig wie möglich: Fast zwei Drittel der Breitbandnutzer erhoffen sich von Triple Play in erster Linie geringere Kosten, immerhin noch rund die Hälfte findet die reduzierte Zahl an Rechnungen vorteilhaft. 42 Prozent der Breitbandnutzer und 27 Prozent der insgesamt befragten Verbraucher erhoffen sich eine qualitative Verbesserung des Angebotes.

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INFO

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