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Bessere Bonität

Weniger Insolvenzen bei frauengeführten Firmen

10. März 2020, 12:24 Uhr   |  Elke v. Rekowski | Kommentar(e)

Weniger Insolvenzen bei frauengeführten Firmen

Männer führen Firmen doppelt so häufig in eine Insolvenz wie Frauen. Das zeigt eine aktuelle Analyse der 19.005 Firmenpleiten aus dem Jahr 2019, die der Informationsdienstleister Chrif Bürgel durchgeführt hat.

Von Männern geführte Unternehmen haben ein höheres Insolvenzrisiko als Firmen mit Chefinnen an der Spitze. Dies belegen sowohl die absoluten als auch die relativen Vergleichszahlen der von Chrif Bürgel durchgeführten Analyse. Bei dem aussagekräftigeren relativen Vergleich wurden die insolventen Unternehmen inklusive der Anzahl der Entscheider in das Verhältnis zur Gesamtzahl der Unternehmen in Deutschland gesetzt. Dabei zeigt sich, dass in mehr als doppelt so vielen Fällen ein oder mehrere Männer an der Spitze eines insolventen Unternehmens stehen. So melden 83 von 10.000 (0,83 Prozent) Unternehmen mit einem oder mehr männlichen Entscheidern eine Insolvenz an. Zum Vergleich: Lediglich 41 von 10.000 Firmen (0,41 Prozent) mit einer oder mehreren Frauen in der Führungsetage melden Insolvenz an. Auch gemischt geführte Unternehmen sind weniger von einer Zahlungsunfähigkeit betroffen (48 vonFir 10.000 Unternehmen, 0,48 Prozent). 

Männer dominieren in den Chefetagen

Obwohl Frauen mit 51 Prozent mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland stellen und 44 Prozent der Berufstätigen weiblich sind, sind derzeit lediglich 22,6 Prozent der Führungspositionen von Frauen bekleidet. Aufgrund der Dominanz von Männern in Führungspositionen ist es deshalb nicht verwunderlich, dass in der absoluten Betrachtungsweise mehr Unternehmen eine Insolvenz anmelden mussten, bei denen ein oder mehr Männer verantwortlich sind. Der einfache Grund: Ein Großteil der insolventen Unternehmen wird von Männern geführt. Bei 15.375 (80,9 Prozent) der zahlungsunfähigen Firmen gab es nur eine verantwortliche Person, wie den Geschäftsführer oder den Inhaber an der Spitze. Bei rund 80,0 Prozent dieser Firmen war diese verantwortliche Person männlich. Bei 2.131 (11,2 Prozent) der insolventen Unternehmen im Jahr 2019 saßen zwei Entscheider auf dem Chefsessel. Auch in diesen Unternehmen sind Männer an der Spitze in der Überzahl. In 62,6 Prozent der Fälle wurden die insolventen Firmen von zwei oder mehr Männern geführt.

Demgegenüber sind nur 3,7 Prozent der Unternehmen mit zwei oder mehr Frauen in der Führung von einer Insolvenz betroffen. Der restliche Anteil (34,7 Prozent) entfällt auf Firmen mit Männern und Frauen in der Geschäftsführung.

Bessere Bonität 

Wenn es um Bonität und Zahlungsfähigkeit geht, haben frauengeführte Unternehmen die Nase vorn. Die Anzahl der finanzschwachen Unternehmen liegt in Deutschland derzeit bei 312.000 Unternehmen. 8,7 Prozent der Firmen haben derzeit ein erhöhtes Insolvenzrisiko. Diese Unternehmen verfügen derzeit über einen Bonitätsindex im Bereich zwischen 4,5 bis 6,0.

Befinden sich nur Frauen in der Chefetage, ist das Insolvenzrisiko der Analyse zufolge niedriger. Hier liegt der Anteil der finanzschwachen Unternehmen bei 7,1 Prozent. Der Anteil insolvenzgefährdeter Unternehmen, die ausschließlich von Männern geführt werden liegt hingegen bei 9,1 Prozent.

Zudem haben Unternehmen mit Frauen an der Spitze die Nase vorn, wenn es um Top-Bonität geht. Bei Firmen mit Frauen in der Geschäftsführung beträgt der Anteil von Unternehmen mit einer sehr guten Bonität (1,0 bis 1,3) 0,95 Prozent - gemessen an allen Unternehmen in Deutschland. Bei von Männern geführten Unternehmen liegt der Anteil bei 0,83 Prozent.

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