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US-Studie: Internet trainiert Gehirn besser als Bücherlesen

14. Januar 2009, 09:45 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

US-Studie: Internet trainiert Gehirn besser als Bücherlesen

Dr. Gary Small: "Internet-Surfen verdrahtet dasGehirn neu."

Wer das Internet gerne als reine »Verdummungsmaschine« abkanzelt, muss umdenken: Wie US-Forscher jetzt herausfanden, fördert regt das Surfen im Web das menschliche Denkvermögen stärker an als das Lesen von Büchern.

Bei Menschen, die häufig Medien wie Internet,Mobilfunk, SMS, Twitter oder Social-Networksverwenden, werden Gehirnbereiche gestärkt,die unter anderem für das abstrakte Denken und "Multi-Tasking" zuständig sind. (Bild: UCLA Today)
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Bei Menschen, die häufig Medien wie Internet,Mobilfunk, SMS, Twitter oder Social-Networksverwenden, werden Gehirnbereiche gestärkt,die unter anderem für das abstrakte Denken und "Multi-Tasking" zuständig sind. (Bild: UCLA Today)

Allzu gerne machen manche Zeitgenossen das Internet dafür verantwortlich, dass das Bildungsniveau sinkt und vor allem junge Menschen »verblöden«. Sie zeichnen das Schreckensbild einer desinformierten »Generation Google«, der eigenes kritisches Denken nicht mehr zugetraut wird.

Doch der Ruf des Netzes ist deutlich schlechter als die Realität, wie eine Studie von Forschern der University of California (UCLA) in Los Angeles zeigt. Demnach werden durch das Web-Surfen auf Suchmaschinen mehr Hirnregionen aktiviert und trainiert als beim Lesen eines Buches.

Die Forschergruppe um Dr. Gary Small fand bei ihren Experimenten heraus, dass beim Lesen lediglich die Gehirnregionen für Sprache, Lesen, Gedächtnis und die Verarbeitung optischer Reize aktiviert werden.

Das Surfen im Internet spricht jedoch zusätzlich diejenigen Gehirnareale an, die für komplexe Entscheidungen zuständig sind. Das erfolgt vor allem beim Sichten und Auswählen von brauchbaren Informationen aus der Liste der Suchergebnisse, die Search-Engines wie Google, Yahoo oder Microsofts Live liefern.

»Technologien wie das Internet verändern nicht nur unser Leben, sondern auch unser Gehirn«, sagt Dr. Small. Der Forscher ist Direktor des »Memory-and-Aging-Research-Center« an der UCLA.

Laut Small findet vor allem bei jungen Leuten, die mit Medien wie Internet, Mobilfunk, SMS oder Services wie Twitter, Facebook et cetera aufwachsen, quasi eine »Neuverkabelung« des neuronalen Netzes im Gehirn statt. Dadurch würden Fähigkeiten gefördert wie abstraktes Denken, das parallele Ausführen mehrerer Tätigkeiten und das schnelle Treffen von Entscheidungen.

Doch auch ältere Menschen profitieren Dr. Small zufolge von der Beschäftigung mit dem Internet. Das belegt ein Test mit Versuchskandidaten, die zwischen 55 und 76 Jahre alt waren. Die eine Hälfte von ihnen hatte Erfahrung mit der Informationssuche im Internet, die andere nicht.

Bei dem Feldversuch mussten beide Gruppen mittels Suchmaschinen nach bestimmten Informationen im Internet recherchieren. Das Resultat: Die »Web-erfahrenen« Probanden wiesen eine doppelt so intensive Hirntätigkeit auf als die Vergleichsgruppe.

Kein Ersatz für soziale Kontakte

Auch auf anderen Gebieten stellen die Wissenschaftler dem Surfen als Trainingsmethode für das Denkorgan gute Noten aus: Demnach wirkt regelmäßiger Internet-Konsum auch der biologischen Rückentwicklung der Kapazität des Gehirns entgegen, die sich mit zunehmendem Alter in einem schlechteren Gedächtnis und einer langsameren Verarbeitungsgeschwindigkeit äußert.

Vor allem für Menschen mittleren und hohen Alters sind diese Ergebnisse ermutigend: Sie können das Surfen im Web regelrecht als Trainingsmethode einsetzen, um einer Reduktion des Leistungsvermögens ihres Gehirns vorzubeugen.

Doch wer nun glaubt, damit einen Freifahrtschein für Surfen bis zum Abwinken zu haben, liegt falsch. Denn wie so oft kommt es auch beim Internet-Konsum auf die richtige Mischung an: »Die Beschäftigung mit dem Internet alleine reicht nicht aus, um etwaigen Leistungsverlusten des Gehirns im Alter vorzubeugen«, stellt Alexander Maye, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Neurophysiologie und Pathophysiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, klar. Mindestens ebenso wichtig sei der reale Kontakt zu anderen Menschen.

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