Digitale Leihbücher ärgern Verlage: E-Books mit Verschleißerscheinungen?

Immer öfter verleihen auch »normale« Bibliotheken digitale Bücher. Bei einigen E-Book Verlagen stößt dies allerdings auf Skepsis. Der US-Verlag HarperCollins hat nun mit dem Vorschlag einer begrenzten Lebensdauer für digitale Bücher für Aufsehen gesorgt.

Nicht nur der Buchhandel, auch Bibliotheken müssen sich erst noch auf die E-Book Revolution einstellen

Schneller als allgemein erwartet, haben sich auch altehrwürdige Bibliotheken auf die digitale Revolution im Buchhandel eingestellt. So können beispielsweise Nutzer der Münchner Stadtbibliothek E-Books im EPUB-Format direkt auf iPad und iPhone laden. Und auch die Bayerische Staatsbibliothek ist – nicht zuletzt auf Grund einer Partnerschaft mit Google – schon recht weit auf dem Weg ins digitale Lesezeitalter. Bei den Herausgebern von E-Books stößt diese Anpassungsfähigkeit der Bibliotheken allerdings nicht immer auf Begeisterung. Ihnen stellt sich die Frage, wie sie mit dem Verleih ihrer digitalen Veröffentlichungen umgehen und was das für ihr Geschäftsmodell bedeutet. Denn hat eine Bibliothek ein E-Book einmal gekauft, ist dieses im Prinzip beliebig oft verleihbar und müsste nur im Fall eines Datenverlusts neu beschafft werden.

Der amerikanische Großverlag HarperCollins hat nun mit einem kühnen Vorstoß für Aufsehen gesorgt: So will das Verlagshaus über ein lizenzrechtliches Vorgehen durchsetzen, dass seine E-Books nur 26 Mal verliehen werden dürfen und danach neu erworben werden müssen. Als Begründung verweist HarperCollins darauf, dass gedruckte Bücher in Biliotheken nach durchschnittlich 26 Ausleihvorgängen so verschlissen seien, dass diese ersetzt werden müssten.

Inwieweit diese Gleichsetzung von gewöhnlichen Büchern und E-Books zulässig ist, bleibt noch zu klären. In Bibliothekskreisen hat die Initiative von HarperCollins jedenfalls für Empörung gesorgt. Zwei Bibliothekarinnen aus dem US-Bundesstaat Oklahoma haben sogar bereits mit einem Youtube-Video auf den Vorstoß reagiert. Darin zeigen diese, dass die angebliche Lebensdauer von 26 Leihvorgängen recht tief angesetzt scheint. Als Gegenbeweis präsentieren die Bibliothekarinnen Bücher, die auch nach mehr als 100 Ausleihen noch in gutem Zustand sind.