Happy Birthday, Model M: Aus dem Testlabor: IBM-Tastatur wird 24

Die IT-Branche erneuert sich in High-Speed. Alle sechs Monate könnten Administratoren schnellere PCs und Server kaufen. Wenige IT-Nischen widerstehen der dauernden Erneuerung - zum Glück.

Von Zeit zu Zeit muss auch ein Technik-Redakteur seinen Schreibtisch entrümpeln und die Gebrauchsspuren von seiner Tastatur entfernen. Genau bei dieser Arbeit sticht mir urplötzlich das Herstellerschild ins Auge: »(c) IBM 1985, Modell 1390131, Manufactured in United Kingdom, 16-04-1986. Dass dieses Modell »M«-Keyboard einige Jahre auf dem Buckel hat, war nichts Neues. Aber 24 Jahre ist dann doch eine ganz andere Hausnummer.

Bild für ein Patent der IBM-Tastatar »M« (Quelle: Wikipedia)

Ein kurzer Blick zurück: Unser Jubiläums-Modell M gelangt Ende der 80er Jahre zusammen mit späten IBM-AT- oder frühen IBM-PS/2 Computern in die Büroräume eines Münchner Betriebes. Anfang der 90er werden dieses Systeme von meinem damaligen Arbeitgeber gegen »moderne« 386er ersetzt. Die alten Rechner sollen wir angemessen entsorgen.

Weil meine private Tastatur soeben den Geist aufgegeben hat, und mir die schwammige Gummimattentastatur im Büro nicht gefällt, bewahre ich zwei Model-M-Keyboards vor dem Müllcontainer. Über den IBM-Fachhandel kann ich DIN-Kabel nachbestellen. Denn zu dieser Zeit haben wirklich nur IBM-PS/2-Rechner einen PS/2-Tastaturanschluss - alle anderen arbeiten mit einem DIN-Kabel.

Bei meinem damaligen Arbeitgeber stößt mein Vorgehen auf Unmut, denn das laute Geklapper des harten Model-M-Anschlages geht den Kollegen mächtig auf den Geist. Binnen weniger Tage habe ich mich aber so sehr an das »Hackbrett« mit dem lauten Anschlag und dem langen Tastenweg gewöhnt, dass ich fortan lieber bei geschlossener Bürotüre arbeite, als mich wieder vom Model M zu trennen.

Im Herbst des Jahres 1993 trete ich schließlich meinen ersten Posten als Redakteur an - mit meinem Model-M unter dem Arm. Die Tastatur sieht aus wie neu, denn es lassen sich alle Tastenkappen einzeln lösen und mit einer Zahnbürste vom Fingerabrieb befreien - eine Prozedur, die sich seit 1990 jährlich wiederholt.

Dank dem fehlen jeglicher Virtualisierungstechnik arbeitet ein testender Redakteur in den 90ern stets mit mehreren Maschinen. Also müssen weitere Tastaturen her. Zum Glück fertigt Lexmark als IBM-Buyout neben Druckern noch bis 1999 auch die Model-M-Tastaturen. 1993 zahle ich stolze 250 Mark für das Hackbrett, welches noch heute an meinem Privat-PC hängt. Auch dieses Modell hat in den vergangenen Jahren für Irritationen gesorgt. Wer ein treuer Model-M-Benutzer ist muss sich eben an Sprüche wie: »Schatz, ich kann nicht schlafen wenn du nachts arbeitest« gewöhnen.

In den 17 vergangenen Jahren als Redakteur entstehen nahezu alle Artikel auf dem in Kürze Geburtstag feiernden Model-M-Keyboard, wie letzten Endes auch diese kurze Glückwungschgeschichte, bestehend aus rund 3000 laut klappernden Anschlägen - und das waren sicher nicht die letzten Texte.