Thema der Woche: Etailer: »Es wird noch sehr spannend im Markt werden«

In nur wenigen Jahren machte Martin Wild Home of Hardware (HoH) zu einem der erfolgreichsten IT-Etailer. Nach dem Verkauf seines Unternehmens an Cancom schied Wild im September 2009 bei HoH aus und ging erst einmal in die USA. Im CRN-Interview schildert er seine Sicht auf die deutsche Etail-Branche.

HoH-Gründer Martin Wild beim Etail Summit 2009 von Computer Reseller News

CRN: Viele E-Commerce-Experten predigen seit langem den Multichannel-Vertrieb als Königsweg. Mit Notebooksbilliger.de eröffnet nun einer der größten IT-Etailer ein Ladengeschäft – eine Bestätigung für die Gültigkeit der Multichannel-Ideologie?

Wild: Ich bin schon seit Beginn von HOH.de von den Vorteilen und Chancen des Multichannel-Vertriebs überzeugt. Ein Ladengeschäft gibt dem Kunden ein erhöhtes Sicherheitsgefühl und kann im Umkreis des Standorts natürlich die Stärke der Brands nutzen, um auch typische Offline-Kunden zu gewinnen. Allein das Gefühl »Ich könnte ja vorbei fahren, wenn es ein Problem gibt…« hilft meiner Ansicht nach vielen Kunden bei der Kaufentscheidung.

CRN: Mit der Übernahme von Myby.de und Promarkt.de durch Rewe sowie der Ankündigung von Media Saturn 2010/11 wieder online starten zu wollen, melden sich die Retailer im Etail-Geschäft zurück. Welche Chancen räumen Sie den Handelsketten dabei ein?

Wild: Natürlich sehen auch die Retailer die Chancen eines Multichannel-Vertriebs und gehen daher den logischen Schritt zum Onlinehandel. Es ergibt sich also eine Situation, in der Player im jeweiligen Kerngeschäft des anderen aktiv werden. Um im Etail-Geschäft nachhaltig profitabel arbeiten zu können, müssen die Retailer allerdings massiv an der Kostenstruktur arbeiten und ihre Prozesse erheblich verschlanken. Inwieweit dies möglich ist, liegt wohl am Willen und am Kapital der Retailers. Da man strategisch aber keine andere Wahl hat, wird es sicher noch sehr spannend im Markt werden.

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