IT-Firmen: Siemens Enterprise Communications geht in Joint-Venture auf

Einen Geldgeber seine Sparte Siemens Enterprise Communications (SEN) hat die Muttergesellschaft Siemens gefunden. Der Bereich wird Teil eines Joint-Ventures, das Siemens zusammen mit der amerikanischen Gores Group gründet.

Bereits seit Monaten war bekannt, dass Siemens-Chef Peter Löscher einen Käufer für die Sparte Siemens Enterprise Communications suchte. Nun kann er zumindest einen Teilerfolg verbuchen: Die Sparte geht in einem Joint-Venture auf, das Siemens zusammen mit The Gores Group gründet.

Ungewisse Zukunftsaussichten: Thomas Zimmermann, Chief Operating Officer von SiemensEnterprise Communications.

Die amerikanische Beteiligungsfirma bringt ebenso wie Siemens 175 Millionen Euro in das Gemeinschaftsunternehmen ein. Dafür erhält Gores 51 Prozent der Anteile, Siemens 49 Prozent.

Eine weitere Morgengabe von The Gores Group sind zwei Unternehmen, die mit Siemens Enterprise Communications zu einer Firma verschmolzen werden sollen: Enterasys Networks und SER Solutions. Enterasys Schwerpunkt waren ursprünglich Netzwerkinfrastruktur-Produkte, etwa die Switches der »Matrix«-Reihe. Zuletzt rückten Sicherheitssysteme in den Mittelpunkt, wie die »Dragon«-Intrusion-Detection-Geräte (IDS).

SER Solutions hat sich auf Call-Center-Software spezialisiert. Wichtigstes Produkt ist das »Call Processing System« (CPS). Es besteht aus Modulen, die unter anderem dem Weitervermitteln von Anrufen und der Überwachung von Call-Center-Arbeitsplätzen dienen.

Standort Leipzig bleibt – bis 2011

Die Transaktion soll nach einer Pressemitteilung von Siemens Ende des Geschäftsjahres 2008 abgeschlossen sein. Auch die Siemens-Werke in Leipzig, Curitiba (Brasilien) und Thessaloniki (Nordgriechenland) gehen in den Besitz der neuen Firma über.

Die Produktion in Leipzig wird zumindest bis 2011 aufrecht erhalten. Das sehen entsprechende Lieferverträge vor.

Kernprodukt von SEN: die Unified-Communications-Lösung Openscape.

Ein »wichtiger Produktionsstandort« bleibt nach Angaben von Siemens und The Gore Group Curitiba. Schlecht sieht es offenbar dagegen für Thessaloniki aus. Man prüfe in diesem Fall mehrere Optionen, so die beiden Unternehmen.

Um Schadensbegrenzung bemüht

Sowohl Siemens als auch The Gores Group bemühten sich erkennbar darum, die Bestandskunden von Siemens Enterprise Communications zu beruhigen. So sollen die Unified-Communications-Lösungen, wie der »Openscape UC Server«, weiterhin zum Produktportfolio gehören. Auch die technischen Unterstützten für Telekommunikationssysteme wie die Hipath-3000- und Hipath-4000-Systeme sei auf lange Sicht gewährleistet.

Im Geschäftsjahr 2007 erzielte SEN einen Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro und hatte Ende Februar weltweit 17.600 Beschäftigte, davon 6200 in Deutschland. Mittlerweile sind davon nach Entlassungen nur noch 15.000 übrig geblieben, in Deutschland etwas mehr als 5000.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass nun ein weiterer massiver Stellenabbau bevorsteht. Auf einer Pressekonferenz Ende Februar hatte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser bereits angekündigt, den Personalstand auf 11.000 zu verringern. Diese Zahl dürfte nach Bildung des Joint-Ventures weiter nach unten korrigiert werden.