Exklusiv-Interview mit Michael Wegert: »Das war für uns eine Katastrophe«

Die Berliner Promarkt.de vollzieht eine radikale Wende und gibt ihr Filialgeschäft auf. Promarkt-Geschäftsführer Michael Wegert erläutert im Exklusiv-Interview mit Computer Reseller News, wie die künftige Online-Strategie aussehen soll, wie man mit Spielwaren und Betonmischern Geld verdienen kann und warum er den stationären Handel einstellen musste.

Michael Wegert (rechts) - hier mit seinem Bruder - im CRN-Exklusivinterview

CRN: Der Kölner Rewe-Konzern, Eigentümer von bislang 57 Promarkt-Filialen, übernahm acht Fachmärkte von Ihnen. Die restlichen Flächenmärkte stehen zum Verkauf. Künftig wollen Sie sich auf das Etail-Geschäft unter promarkt.de konzentrieren. Ist der Abschied vom stationären Handel endgültig?

Wegert: Es ist richtig, dass wir uns aus dem stationären Handel zurückziehen. Mehrere Märkte haben wir bereits an Rewe verkauft, die ja ebenfalls eine Promarkt-Kette betreiben. Den Brand »Promarkt« haben wir ebenfalls an Rewe abgegeben, wir dürfen ihn künftig nur noch für das Online-Geschäft verwenden, auf das wir uns künftig konzentrieren werden. Aber ein endgültiger Rückzug vom Filialgeschäft bedeutet dieser Schritt nicht: Mindestens eine Filiale bleibt geöffnet, damit wir weiterhin zu Händlerkonditionen einkaufen können. Dieser Punkt ist im Geschäft mit den Lieferanten für Unterhaltungselektronik und weißer Ware wichtig.

CRN: Was geschieht mit den Märkten, die nicht an Rewe gingen? Haben Sie schon einen Interessenten gefunden?

Wegert: Für vier Filialen in Berlin-Pankow, Brandenburg, Cottbus und Wolfenbüttel suchen wir noch einen Käufer. Bei zwei Märkten stehen wir kurz vor der Unterschrift, für die anderen beiden sind wir derzeit in intensiven Verhandlungen. Wir gehen davon aus, dass alle Niederlassungen noch vor dem Weih-nachtsgeschäft verkauft sind.

CRN: Mit der Aufgabe des stationären Handels ist Ihre Strategie endgültig gescheitert. Erst im September 2008 starteten die Promärkte neu durch: Die Filialen sollten unter dem neuen Brand »promarkt. de« den Online-Handel mit dem Filialgeschäft kombinieren. Warum hat das Konzept nicht funktioniert?

Wegert: Unser Hauptlieferant, die EP-Gruppe, wollte uns nicht mehr beliefern. Das war für uns als Medimax-Partner eine Kata-strophe. Von einem Tag auf den anderen erhielten wir von der Industrie keine Produkte mehr. Bis wir einen eigenen Einkauf aufgestellt hatten, waren Monate vergangen. Über eine Planinsolvenz versuchten wir daraufhin, die Standorte zu erhalten. Unser Problem: Wir mussten nicht nur einen eigenen Einkauf aufbauen, sondern auch die Kontakte zur Industrie erneuern. Diesen direkten Kontakt benötigten wir zuvor als Medimax-Partner nicht. Die Maßnahmen mussten wir kurz vor dem Weihnachtsgeschäft umsetzen.

CRN: Zu diesem Zeitpunkt musste der Medien-Großhändler TMI Insolvenz anmelden. Das Unternehmen belieferte Großflächen- und Kleinflächenkunden sowie Online-Shops mit DVDs, Spielen, Speichermedien und Unterhaltungssoftware. Auch Ihre Märkte zählten zu den TMI-Kunden. Konnten Sie den Ausfall kompensieren?

Wegert: Nein, das konnten wir nicht. TMI war unser Hauptlieferant für Tonträger. Im wichtigen Jahresendgeschäft standen wir praktisch ohne CDs und DVDs da. Das bedeutete einen Umsatzeinbruch in Höhe von zehn Prozent. Deswegen mussten wir auch noch einen Einkauf für Tonträger aufbauen, um unseren Systemlieferanten zu ersetzen. Darüber hinaus verlangten unsere Lieferanten Vorkasse. Obwohl wir daraufhin hohe Depotzahlungen eingerichtet hatten, erhielten wir nur sporadisch Waren. Letztendlich standen wir mit 15 Märkten alleine da – ohne den Rückhalt einer Einkaufskooperation. In dieser Situation war es nicht realistisch, weiterzumachen.

CRN: Künftig steht also das Online-Geschäft unter promarkt.de im Fokus. Werden Sie das Sortiment überarbeiten?

Wegert: Ja, wir werden uns im Produktbereich neu aufstellen. Im Online-Geschäft kann man nicht mit großen Gewinnspannen rechnen. Unsere Umsatzsteigerungen im Internet sind allerdings jetzt schon sehr hoch. Daher werden wir unser Sortiment ausbauen und uns nicht nur auf ITK-Produkte konzentrieren, weil in diesem Segment die Margen schon lange unter Druck sind. In unserer neuen »World of Promarkt« bieten wir künftig beispielsweise auch Spielzeug an. Wir sind kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit einigen namhaften Herstellern. In diesem Bereich sind die Gewinnspannen deutlich höher. Wir haben generell keine Berührungsängste vor neuen Branchen: Vor zwei Wochen haben wir beispielsweise drei Betonmischer online verkauft.

Übersicht