Hersteller für geregelten Online-Kanal: Etailer gegen Verkaufsverbote

Massive Probleme für Ebay: Hersteller wollen den Online-Vertrieb juristisch einschränken. Auch außerhalb der Plattform häufen sich Vertriebsbeschränkungen für Online-Händler. Die Etailer sehen ihre Geschäftstätigkeit bedroht.

Nachdem Ebay auf eine Zunahme von Vertriebsbeschränkungen für Online-Händler aufmerksam machte, haben nun zwei Gerichts- urteile für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt: Vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe setzte der Schulranzen-Hersteller Sternjakob (»Scout«) durch, dass seine Produkte im Internet nur in On- lineshops verkauft werden dürfen, die den qualitativen Anforderungen des Unternehmens genügen, nicht aber bei Ebay. In Paris erreichte der Luxuskonzern Moët Hennessy Louis Vuitton Group sogar, dass französische Ebay-Nutzer dessen Parfumprodukte auf keiner Ebay-Seite weltweit kaufen oder verkaufen dürfen.

Auch IT-Händler sehen sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert: »Vertriebsbeschränkungen haben in den letzten Monaten extrem zugenommen«, berichtet Andreas Müller, Geschäftsführer des Saarbrücker Etailers Deltatecc. Vor allem im CE-Bereich gebe es immer mehr Hersteller, die nicht nur den Ebay-Verkauf, sondern den Online-Kanal generell einschränken wollen. »Das Internet betrachten wir nicht als Vertriebskanal, sondern vor allem als Informations-Kanal«, bestätigt Loewe-Pressesprecher Roland Raithel gegenüber Computer Reseller News. Das Unternehmen wendet sich dezidiert gegen den Verkauf auf Ebay.

Home Entertainment-Hersteller Loewe steht offen zu seiner restriktiven Online-Vertriebspolitik: Für die qualifizierten Fachhändler sei der Online-Verkauf schon möglich, allerdings nur in einem eigenen Onlineshop, der den Qualitätskriterien des Herstellers entspreche. »Eine Plattform wie Ebay hat dagegen ein ganz anderes Geschäftsmodell. Ein Verkauf von Loewe-Produkten mit den notwendigen Rahmenbedingungen ist hier nicht möglich«, erklärt Loewe-Sprecher Raithel. Die klaren Richtlinien des Herstellers bestätigen die Einschätzung, dass vor allem CE-Anbieter auf streng kontrollierte Vertriebswege setzen. »Wenn es um den Verkauf von klassischer IT geht, gibt es bisher nur wenig Vertriebsbeschränkungen.

Grundsätzlich ist dieser Bereich eher offen«, erklärt Deltatecc-Chef Müller. Nach Recherchen von CRN gibt es aber auch im klassischen IT-Segment Hersteller, die den Aufbau eines kontrollierten Online-Kanals planen. So setzt etwa Sony auf eine Mischung aus Anreizen für autorisierte Etail-Partner und juristischen Maßnahmen gegen Anbieter von Grauimporten, um eine stärkere Kontrolle über den Internet-Verkauf zu gewinnen (siehe CRN 38/2009).

Die breit aufgestellte Deltatecc musste bereits in vielen Fällen Erfahrung mit dem Thema Vertriebsbeschränkungen sammeln – schließlich verkauft das Saarbrückener Unternehmen IT- und CE-Produkte sowohl im stationären Handel wie auch im eigenen Onlineshop und auf den E-Commerce-Plattformen Amazon.de und Ebay. »Vor kurzem haben wir beispielsweise einen Anruf von einem SAT-Hersteller erhalten, der sich darüber beschwert hat, dass wir seine Ware im Internet verkaufen«, berichtet Firmenchef Müller. »Da hieß es gleich, wir erhalten keine Ware mehr, da wir uns nicht an die Vertriebspolitik gehalten hätten – dabei hatten wir uns vorher nie darüber unterhalten. Man frägt sich zunehmend: Wo geht das hin?« Wenn die Hersteller das Thema verantwortungsbewusst angingen, könne das auch gute Folgen haben. Doch nach Ansicht von Müller wirke das Verhalten der Hersteller oft vollkommen irrational.

Fälle häufen sich

Dass es sich bei Müllers Erfahrungen um keinen Einzelfall handelt, zeigt ein Augenschein in der Branche. Zwar will man sich aus Furcht vor möglichen Sanktionen nicht namentlich äußern, doch berichten Händler gegenüber CRN, dass mittlerweile eine ganze Reihe von Herstellern Restriktionen für Online-Händler erlassen habe: Das Spektrum reicht dabei von klassischen IT-Anbietern wie LG und Samsung bis zu den CE-Herstellern Denon und Sharp. Ebay hat sich als einer der Hauptbetroffenen mittlerweile den Kampf gegen die Vertriebsbeschränkungen auf die Fahnen geschrieben. Das Unternehmen hatte im Sommer eine Petition gegen Beschränkungen des Online-Handels gestartet und mittlerweile mehr als 750.000 Unterschriften gesammelt. Ebay wird dabei von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unterstützt: »Die Entscheidung über den gewählten Einkaufskanal mit seinen jeweiligen Vor- und Nachteilen muss beim individuellen und mündigen Verbraucher liegen«, so der vzbv in einer Stellungnahme. »Diese Wahl umfasst auch die Auswahl des Serviceumfangs – und den damit verbundenen Preisunterschied.«

Handlungsbedarf beim Thema sieht auch Deltatecc-Chef Müller: Für den Multichannel-Unternehmer stellen Beschränkungen beim Online-Vertrieb eine handfeste Bedrohung seiner Geschäftsgrundlage dar. »Schließlich wollen wir die Ware ja am besten in allen Kanälen gut verkaufen!«, so der Saarländer. Doch mittelfristig befürchtet Müller eher eine Zuspitzung des Themas: »Inzwischen häufen sich die Vertriebsbeschränkungen derart, dass man überlegt, ob es sich nicht irgendwann einmal lohnt, gegen das Thema zu klagen.«