Interview mit Maxdata-Insolvenzverwalter: »Eine Insolvenz erleichtert sehr vieles«

Am frühen Mittwochnachmittag vergangener Woche stellte Maxdata einen Antrag auf Insolvenzeröffung. Kurz danach, aber wahrscheinlich schon vorher, hat der Insolvenzverwalter Übernahmegespräche geführt. CRN fragte Rechtsanwalt Dirk Andres, welche Chancen er Maxdata einräumt.

Auch 2007 ist der Maxdata-Umsatz weiter gefallen auf knapp 469 Millionen Euro.

CRN: Wer soll Maxdata retten?

Andres: Das wird sich zeigen. Wir haben noch am Mittwochnachmittag mit einem potenziellen Investor gesprochen und werden in den nächsten Wochen Gespräche mit weiteren Interessenten führen. Es ist ein strategischer Investor, also aus der IT-Branche. Ich da bin sehr zuversichtlich, aber natürlich brauchen solche Verhandlungen Zeit.

Aber die hat ein insolventes Unternehmen nicht. Wettbewerber von Maxdata haben schon am Tag der Insolvenz angefangen, um die Partner von Maxdata zu buhlen.

Es wird oft nicht daran gedacht, dass eine Insolvenz ein Sanierungsinstrument sein kann, um ein Unternehmen weiterleben zu lassen. Einem Fremdinvestor bleibt es dann erspart, Altlasten übernehmen zu müssen. Eine Insolvenz erleichtert sehr vieles, eine Fortführungslösung ist aber nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.

Welche Altlasten bei Maxdata meinen Sie?

Lassen Sie mich das am Beispiel ganz genereller Verpflichtungen erläutern. Das können bei einem Betrieb mit Filialnetz langfristige Miet- oder Pachtverträge sein oder Verträge mit Lieferanten aus denen einen Unternehmen so schnell nicht entlassen wird. Das sind wichtige Punkte, worauf Investoren achten, die eine Übernahme eines insolventen Unternehmen prüfen.

Zuerst einmal bringt aber eine Insolvenz große Verunsicherung mit sich: bei Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Warum hat es der Maxdata-Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzende Siegfried Kaske so weit kommen lassen? Mit einer Kapitalerhöhung hätte er, der über 70 Prozent an Maxdata hält, die Insolvenz von Maxdata verhindern können.

Dazu kann ich nichts sagen. Wichtig ist jetzt: Die Geschäfte von Maxdata gehen unverändert weiter. Es wird ausgeliefert und der technische Kundendienst arbeitet wie gewohnt.

Wer übernimmt jetzt die Garantieverpflichtungen für die Produkte?

Die übernimmt weiterhin Maxdata, auch wenn andere Unternehmen das jetzt für sich ausschlachten wollen. Denen geht es vordergründig um den Kundenstamm und nicht um Gewährleistungen. Maxdata hat in den letzten Jahren für Garantiefälle erhebliche Rückstellungen gebildet. Nicht etwa, weil die Produkte schlecht sind. Sondern weil es das der Gesetzgeber so vorschreibt.