Unterstützung für harte Linie der EU: Deutsche Wirtschaft warnt vor Chaos-Brexit

Fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen befürchten negative Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Deutschland durch den Brexit. Viele Firmen sind direkt vom Ausstieg Großbritanniens aus der EU betroffen.

Kurz vor der entscheidenden Brexit-Abstimmung im britischen Parlament hat die deutsche Wirtschaft erneut vor den negativen Folgen im Falle einer Ablehnung gewarnt. »Ohne Deal würden zusätzlich Millionen an Zollanmeldungen und Milliarden an Zöllen fällig«, sagte der Präsident des Deutschen Industrie-und Handelskammertages, Eric Schweitzer, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Zudem würden Just-in-Time Produktionen und Lieferketten unterbrochen. Er wies abermals darauf hin, dass in Deutschland ungefähr 750.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Großbritannien abhingen.

An diesem Dienstag wird im britischen Unterhaus eine Entscheidung über das von Premierministerin Theresa May mit Brüssel ausgehandelte Abkommen zum EU-Austritt erwartet. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Deal im Parlament eine Mehrheit bekommt. Großbritannien will bereits am 29. März die Europäische Union verlassen. Bei einem Austritt ohne Abkommen drohen chaotische Verhältnisse in fast allen Lebensbereichen. Großbritannien ist Deutschland fünftwichtigster Handelspartner. Das Handelsvolumen beträgt 122 Milliarden Euro.

Schweitzer forderte die britische Seite auf, Vorkehrungen für einen ungeregelten Brexit zu treffen. »Sollte es nicht gelingen, das Austrittabkommen durch das britischen Parlament zu bekommen, wäre auch hierfür die britische Seite gefordert. Die EU-Vorkehrungen können nur dann in Kraft treten, wenn die Briten Gleiches ermöglichen«, sagte Schweitzer.

Die deutsche Außenwirtschaft äußerte sich ebenfalls besorgt. »Bei einem harten Brexit ohne Freihandelsabkommen drohen deutschen Unternehmen Kosten in Milliardenhöhe«, sagte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann, den Funke-Zeitungen. »Alle Waren nach und aus Großbritannien müssten an den Grenzen deklariert, Herkunftsnachweise erbracht und Produkte womöglich nach neuen britischen Standards hergestellt werden.«

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