Lars, but not Least: Politische Killer-Spiele

Weil sie ihm den Controller der gemeinsamen Spielkonsole nicht geben wollte, hat ein Neunjähriger in den USA seine vier Jahre ältere Schwester erschossen. Nach trumpscher Lesart waren daran wahrscheinlich die gewalttätigen Spiele schuld.

(Foto: Allen - Fotolia)

Seit dem jüngsten Schulmassaker, bei dem im Februar ein polizeibekannter 19-jähriger an einer High School in Parkland im Bundesstaat Florida 17 Schülerinnen und Schüler erschossen hatte, versucht US-Präsident Donald Trump – ganz im Sinne seiner Sponsoren der National Rifle Association – unter anderem Computerspiele für solche Gewaltexzesse verantwortlich zu machen. Um die Sicherheit der Kinder in Bildungseinrichtungen zu verbessern fordert er bessere Bewaffnung und Schießausbildung der Lehrer. Gespielte Gewalt soll seiner Ansicht nach also strenger reguliert werden, während das gebräuchlichste Mittel für tödliche Gewaltausübung in Form von omnipräsenten Waffen weitgehend unangetastet bleibt.

Wie zynisch und pervers diese Argumentation ist, zeigt jetzt wieder deutlich ein tragischer Vorfall aus dem Bundesstaat Mississippi. Dort war am vergangenen Wochenende der Streit zwischen einem neunjährigen Jungen und seiner dreizehn Jahre alten Schwester um den Controller ihrer Spielkonsole derart ausgeartet, dass der Bub letztendlich eine im Zimmer liegende Waffe ergriff und auf seine Schwester feuerte. Der Schuss traf das Mädchen direkt in den Hinterkopf, trotz der verzweifelten Rettungsversuche zahlreicher Spezialisten verstarb sie wenige Stunden später in einem Kinderkrankenhaus in Memphis. Während derartige Fälle beim durchschnittlichen Europäer für wahre Schockmomente sorgen, sind sie im Land der Waffennarren nur noch eine Randnotiz der alltäglichen Gewaltorgie.

Bei ihren Ermittlungen wollen die Behörden nun vor allem herausfinden, wem die Waffe gehört und warum sie für die Kinder frei zugänglich im Zimmer lag. Dabei ist das Vorhandensein von Waffen selbst in der Nähe von Kindern alles andere als eine Seltenheit in einem Land, in dem der Besitz von Schusswaffen zum verbrieften Bürgerrecht gehört.

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Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 16:28 Uhr

Wie kann man aus dieser Meldung "Trump-Bashing" herauslesen? (Nebenbei: Er hat jegliches Bashing mehr als verdient. In einer Fernseh-Dokumentation wurde sehr nachvollziehbar dargelegt, dass der dummdreiste Horrorclown aus Russland finanziert und gelenkt wird - soweit letzteres überhaupt noch möglich ist.) Beim Thema des berüchtigten "Second Amendmet" ist der Gegner nicht der jeweils aktuelle Präsident; der ist austauschbar. Der wahre Gegner ist die allmächtige NRA, die Lobby-Organisation der Waffenhersteller. Und auch die hat jegliche Kritik mehr als verdient.

Antwort von Ein , 13:38 Uhr

Immer wieder sehr interessant, wie schnell man zu einem Moralapostel wird. Und das allgegenwärtige Trump-Bashing darf in so einem Beitrag auch nicht fehlen. Aber ich mach einmal den Vorschlag und nehmen Sie den uns doch einmal das Recht auf freie Geschwindigkeitswahl auf unseren Autobahnen? Versuchen Sie das doch mal. Und auch da sterben Menschen. Sind dann die Autos schlimmer als Terroristen. Leider ein sehr einseitiger Bericht, der das Thema "Waffen in den USA" nicht einmal anschneidet. Ein Thema von solcher Tragweite kann auch auch nicht in ein paar Zeilen abhandeln.