Wie das Internet der Dinge im Weinbau nützt: Der Weinberg wird smart

An der Mosel testen Winzer das von der Nürnberger IT-Firma My Omega mit Intel-Komponenten entwickelte System Traco Vino. Damit zieht im klassischen Weinbau das Internet der Dinge ein, denn Traco Vino sammelt über spezielle Sensoren kontinuierlich Klima- und Pflanzendaten im Weinberg. Die Daten werden in Echtzeit übertragen und in der Cloud gespeichert.

Rechts und links der schönen Mosel finden sich Europas steilste Weinberge mit bis zu 70 Grad Hangneigung. In jedem Hektar Steillage stecken rund 1.800 Stunden Handarbeit. Dabei ist der Anbau von Reben bis heute eine vorrangig manuelle, allenfalls maschinelle Angelegenheit, bei der es vor allem auf das Wissen und die Erfahrung des Winzers ankommt – und eine exakte Wettervorhersage. Denn die sensiblen Pflanzen sind dem Klima des jeweiligen Anbaugebiets ausgesetzt, reagieren auf Witterungsschwankungen mit Mengen- und Qualitätsverlust. Der Profi muss daher genau entscheiden, wie und wann er im Weinberg aktiv wird. Zu wissen, welche Eckdaten dort gerade vorherrschen, ist für ihn absolut entscheidend. Das Problem hierbei ist allerdings: Wenn die Wetterstation sich nicht gerade inmitten der Rebstöcke befindet, erhält der Winzer keine akkuraten Daten, eine genaue Abbildung des im Weinberg vorliegenden Klimas ist nicht möglich. Fehleinschätzungen können dabei im Extremfall zur Folge haben, dass das Ergebnis von einem Jahr harter Arbeit nicht zur Kelter transportiert werden kann, sondern vernichtet ist.

Echtzeit-Informationen über Boden und Klima

Mit TracoVino – dem Internet der Dinge (IoT) für Winzer – sind die Weinbauern künftig nicht mehr schutzlos den Launen der Natur ausgesetzt. Das solarbetriebene IoT-System kommt im Moseltal seit Juli 2015 zum Einsatz. Entwickelt wurde es vom Nürnberger Unternehmen MyOmega. Es basiert auf dessen IoT-Plattform My NeXt Generation – kurz: MYNXG –, in dem Intel-Technologie zum Einsatz kommt. Die Plattform verbindet Sensornetzwerke, Smartphones, Netzwerkelemente des Mobilfunks sowie die Cloud. Die IoT-Komponenten von Intel vernetzen Maschinen, Geräte und Sensoren unter Verwendung höchster Sicherheitsstandards mit der Cloud.

Das neuartige System ermöglicht es, in Echtzeit detaillierte Informationen über die Boden- und Klimaverhältnisse im Weinberg abzurufen: dazu zählen Angaben zur Feuchtigkeit und Temperatur von Luft und Boden sowie zur Intensität der Sonneneinstrahlung und der Lichtstärke. Weitere Sensoren geben Auskunft über die Blattfeuchte sowie die pH- und Nährstoffwerte im Boden. So können Analysen und Voraussagen erstellt und rechtzeitig notwendige Maßnahmen ergriffen werden, um für die bestmögliche Qualität der Reben zu sorgen. „Die verschiedenen Sonden geben mir schnell eindeutige Informationen, die mir helfen das Wassermanagement zeitnah umzusetzen oder einen Abgleich der Daten mit den Erfahrungen aus den Kenntnissen des natürlichen Bewuchses zu erstellen“, erklärt Theo Haart vom Weingut Haart, der zu den Testern des Systems gehört. Der Winzer kann darüber hinaus jederzeit Prognosen über den Zustand seiner Weinberge, möglichen Schädlingsbefall oder die zu erwartende Qualität und Quantität abrufen und dadurch den am besten zur Düngung geeigneten Zeitpunkt oder die genau Dosis an benötigten Pflanzenschutzmitteln bestimmen.

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