Interview mit Wolfgang Dorst, Bitkom e. V.: „Systemhäuser – ideale Partner für Industrie 4.0-Projekte“

Nur mit viel Engagement können Unternehmen und Systemhäuser Industrie 4.0 aktiv mitgestalten. Im Interview spricht Wolfgang Dorst vom ITK-Branchenverband Bitkom über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung.

Wolfgang Dorst ist Bereichsleiter Industrie 4.0 im Digitalverband Bitkom.
(Foto: Bitkom)

Ish: Am Thema Industrie 4.0 kommt heute kaum jemand vorbei, doch für welche Bereiche ist die Digitalisierung überhaupt wichtig?
Dorst: Die Digitalisierung schreitet bereits seit Jahrzehnten voran. Die Auswirkungen sind heute in vielen Bereichen sichtbar, wie zum Beispiel in der Automobilfertigung, im Maschinenbau oder auch in der Chemie oder Landwirtschaft. Die fertigende Industrie steht an der Schwelle in ein neues Zeitalter. Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, einer neuen Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Dieser Zyklus orientiert sich an den zunehmend individualisierten Kundenwünschen und reicht von der Idee, dem Auftrag über die Entwicklung und Fertigung, die Auslieferung eines Produkts an den Endkunden bis hin zum Recycling, einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen. Es geht also längst nicht mehr darum, ob Industrie 4.0 kommt, sondern darum, wie sie am besten genutzt werden kann. Denn aufzuhalten ist diese Entwicklung nicht. Unternehmen sollten sie deshalb nicht als Hemmschuh, sondern als Herausforderungen betrachten, und die Digitalisierung aktiv mitgestalten.

Ish: Welche Bereiche der ITK sind besonders wichtig, wenn es um Industrie 4.0 geht?
Dorst: Industrie 4.0 beeinflusst viele Bereiche der ITK, zum Beispiel die Mobilfunkvernetzung mit Breitband. Sie liefert die Infrastruktur für die Digitalisierung. Auch Cloud Computing ist ein relevanter Bereich, denn durch die Digitalisierung entstehen Daten, die über Unternehmensgrenzen hinweg vorgehalten werden müssen. Um die Daten nutzbar zu machen, ist eine Filterung unerlässlich. Hier kommen neben künstlicher Intelligenz zum Beispiel Big Data und Business Intelligence (BI) ins Spiel. Sicherheit ist in Bezug auf Industrie 4.0 ein zentrales Thema – ob es um Datenschutz, IT-Sicherheit oder funktionale Sicherheit geht.

Ish: Welche Chancen bietet Industrie 4.0 für ITK-Systemhäuser?
Dorst: Industrie 4.0 ist ein klassisches Konvergenzthema. Durch ihren systemischen Ansatz sind Systemhäuser daher die idealen Partner für Industrie 4.0-Projekte. Für Systemhäuser gehört es vielfach zum Geschäftsalltag, branchenübergreifend und projektorientiert zu agieren. Die Kunden und ihre Bedürfnisse werden in die Prozesse mit einbezogen. Genau dabei geht es im Prinzip bei Industrie 4.0. Deshalb haben Systemhäuser gute Chancen, sich als „Schaltzentralen“ in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsketten zu positionieren.

Ish: Welche Voraussetzungen sollten Systemhäuser mitbringen, um von Geschäften rund um Industrie 4.0 zu profitieren? Dorst: Ohne Engagement funktioniert der Einstieg für die Systemhäuser sicherlich nicht. Zum einen ist branchenspezifisches Wissen von Vorteil. Hier sollten Systemhäuser ihr Know-how kritisch analysieren und gegebenenfalls einen Berater hinzuziehen. Gleichzeitig müssen Systemhäuser auch den Mut aufbringen etwas Neues zu probieren. Denn Industrie 4.0-Projekte sind vielfach noch Neuland. Sinnvoll ist es, sich an Pilotprojekten zu beteiligen oder an Versuchsprojekten mitzuwirken, auch wenn der ROI noch nicht bis zum Ende durchgerechnet ist. Die so gewonnene Erfahrung kann danach mit anderen Unternehmen umgesetzt werden. Um von der Entwicklung zu profitieren, sollten Systemhäuser bald mit ihrem Engagement starten. Denn eines ist sicher: Die Karten für den künftigen Erfolg werden jetzt gemischt!