Cyborgs zum selber bauen: Fernsteuerung für Küchenschaben

Zwei amerikanische Tüftler bieten ab November einen Bausatz an, mit dem eine lebendige Küchenschabe ferngesteuert werden kann.

Der Platinenrucksack macht aus einer Schabe einen Cyborg. (Bild: backyardbrains.com)

Das amerikanische Unternehmen Backyard Brains sorgt derzeit mit einem skurrilen Angebot in seinem Onlineshop für hitzige Diskussionen zwischen Forschern, Ethikern und Nerds in den Vereinigten Staaten. Anlass für die Aufregung ist der im Shop angebotene »Robo Roach« Bausatz für eine ferngesteuerte Küchenschabe, der ab November ausgeliefert werden soll. Für 99 Euro bekommen die Kunden eine Steuerungsplatine, die auf den Rücken von Küchenschaben verpflanzt werden kann, um die Insekten anschließend mit dem Smartphone oder Tablet-PC per Bluetooth-Verbindung fernsteuern zu können. Eine passende Schabe ist im Preis bereits inbegriffen. Fertig präpariert kann man die Cyborg-Schabe per Eingabe auf dem Touchscreen etwa vorwärts, rückwärts, seitlich oder auch im Kreis laufen lassen. Dass der Bausatz auch tatsächlich funktioniert, haben seine beiden Entwickler Greg Gage und Tim Marzullo erst kürzlich auf der Wissenschaftskonferenz TEDx eindrucksvoll dem dortigen Publikum bewiesen.

Während vor allem Ethiker und Theologen kritisieren, mit der Robo Roach würden Lebewesen als Spielzeuge missbraucht und Nutzer zu weiteren grausamen Experimenten angeregt, wollen der Ingenieur Gage und Neurobiologe Marzullo ihren Cyborg-Baukasten eher als Lehrobjekt verstanden wissen. Ihre Intention sei es, besonders Lehrkräften an Schulen eine spannende Möglichkeit zu bieten, um Kindern die neurobiologischen Zusammenhänge zwischen Gehirn und Körper zu verdeutlichen und sie so für dieses interessante Zukunftsthema zu begeistern. Finanziert haben sie ihr Projekt über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter, wo sie im Sommer über 12.000 US-Dollar einsammeln konnten. Das Geld haben sie nach eigenen Angaben ausschließlich für die Produktion der ersten Schaben-Fernsteuerungen gebraucht, die ebenfalls im Shop angebotenen Ersatz-Schaben konnten die beiden Tüftler aus eigenen Mitteln vorfinanzieren.