Technikgeschichte: Mit Ur-Chips und genähtem Speicher auf den Mond

Die Mondlandung wurde auch durch Pionierarbeit bei Computern möglich gemacht - die bis heute nachwirkt. So wurden erstmals Vorgänger heutiger Chips eingesetzt und die Regeln guten Software-Designs geprägt. Der genähte Speicher setzte sich hingegen nicht durch.

Digitale Rettung in letzter Sekunde

Hamilton und ihr Team versuchten, den Computer so robust wie möglich arbeiten zu lassen und zementierten dabei einige Grundsätze auch heutiger Software-Entwicklung. So legten sie fest, dass Aufgaben priorisiert wurden - und bei Bedarf weniger wichtige Aktionen einfach abgebrochen wurden, um Kapazität freizumachen. Das könnte einen Abbruch der »Apollo 11«-Mission kurz vor dem Ziel verhindert haben.

Denn drei Minuten vor der Landung auf dem Mond am 20. Juli 1969, als der Computer den Anflug berechnen sollte, meldete er plötzlich Fehler - aus Überlastung, wie man später herausfand. Der Grund war ein nicht behobener Konstruktionsmangel, wie der Autor David Mindell im Buch »Digital Apollo« beschrieb. Die Astronauten ließen neben dem Radar für die Landung auch den sogenannten Rendezvous-Radar laufen, der für die spätere Annäherung an das Raumschiff gebraucht wurde. Das war eine Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass die Mondfähre schnell zum Hauptschiff zurückkehren muss.

Anders als bei Tests am Boden wurden die beiden Radare allerdings aus zwei verschiedenen Wechselstromquellen gespeist, die in verschiedenen Phasen liefen. Dadurch nahm der Rendezvous-Radar Interferenzen wahr und lastete den Bordcomputer mit der sinnlosen Aufgabe aus, sie zu interpretieren. Das von Hamilton entworfene System brach den Prozess als nebensächlich ab und machte damit Rechenleistung für die Landung frei.

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