Kirchen-IT erfindet bargeldlosen Klingelbeutel: Digitale Transformation im Namen des Herrn

Auch die Kirche muss sich auf die bargeldlose Zukunft einstellen und deshalb jetzt einen elektronischen Klingelbeutel vorgestellt, mit dem bei der Kollekte auch Bank- und Kreditkarten akzeptiert werden.

Der digitale Klingelbeutel vereinfacht das Sammeln von Spenden beim Gottesdienst erheblich
(Foto: Thorsten Wittke / EKBO)

Durch den Onlineboom befeuert, setzt sich bargeldloses Bezahlen auch offline in immer mehr Lebensbereichen durch. Als Folge davon berichten selbst Kirchenvertreter immer häufiger von Schäflein, die bei der Kollekte mit leicht beschämtem Blick den Klingelbeutel unbefüllt weiterreichen und dabei entschuldigend murmeln, dass sie leider kein Kleingeld dabei hätten. Ob das nur eine faule Ausrede, oder das digitale Payment tatsächlich schon verbreitete Realität unter den Gläubigen ist, will jetzt die Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) herausfinden. Sie hat einen Klingelbeutel mit entsprechender Elektronik sowie einem Display ausgestattet, sodass er neben dem direkten Einwurf ins Samtsäckchen nun auch das kontaktlose Bezahlen von Kleinbeträgen mit Giro- und Kreditkarten ohne Eingabe der PIN erlaubt.

Die Idee dazu, dieses seit Jahrhunderten feste Inventarstück eines jeden Gottesdiensts ins digitale Zeitalter zu bringen, hatte Fabian Kraetschmer, der Leiter des IT-Referats EKBO. »Es gab für die Entwicklung zwei Treiber: Einerseits die zunehmende Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Gesellschaft. Anderseits die zunehmenden Schwierigkeiten, Bargeld bei Banken abzugeben«, erklärt er die Entstehung seines besonderen Gadgets. Gerade im ländlichen Raum hätten Faktoren wie lange Wege zu den Annahmestellen, Fahrkosten, Einzahlungsgebühren und Verwaltung dazu geführt, dass die ohnehin schon sinkenden Kollektenbeiträge nochmals erheblich geschmälert wurden, so der Erfinder weiter.

Mit seinem Klingelbeutel 2.0 können die Kirchgänger in der Region deshalb jetzt ihr Geld bequem per Karte spenden und es dabei direkt aufs Konto ihrer Kirchengemeinde übertragen. Nach einigen Verbesserungen und Weiterentwicklungen des Prototyps hat die Kirche inzwischen auch schon ein Patent sowie Gebrauchsmusterschutz beantragt und weitere der Geräte fertigen lassen. Diese werden ab sofort in mehreren Kirchen in der Region eingesetzt.

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