Die Blockchain allein ist kein Allheilmittel: An die Kette gelegt

Die Blockchain ist in der ITK-Branche derzeit in aller Munde. Doch bei allen Möglichkeiten, die diese Technologie zweifelsohne bietet, wird sie oft auch überschätzt. Ein gutes Beispiel dafür liefert aktuell der Handel mit gebrauchter Software.

Brüchige Verbindungsstellen gefährden auch Blockchains
(Foto: Vlad Kochelaevskiy - Fotolia)

Nachdem der große Hype um Kryptowährungen implodiert ist, bleibt davon in der ITK-Welt nun vor allem noch der hinter den meisten Coins steckende technologische Ansatz der Blockchain übrig. Er verspricht gleich mehrere gefragte Eigenschaften wie Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit und bietet mit seinen dezentralen Strukturen reichlich disruptives Potenzial für verschiedenste Anwendungsfälle und etablierte Branchen. Kein Wunder also, dass derzeit immer mehr Unternehmen mit stolzgeschwellter Brust verkünden, jetzt auch auf die Blockchain zu setzen.

Doch hier beginnt das dabei gerne übersehene Problem bereits. Denn die eine Blockchain gibt es nicht, bislang fehlt es allenthalben noch an verlässlichen Standards. Damit werden jedoch auch gleich wieder einige der anderen möglichen Vorteile eingeschränkt. Eine sichere Verschlüsselung von Daten in der Blockchain selbst bedeutet noch lange nicht, dass Compliance-Anforderungen wie Sicherheit und Datenschutz auch automatisch in der jeweiligen Implementierung garantiert werden können. Genauso sagt die Absicherung der Datenintegrität nichts über die tatsächliche Qualität und Glaubwürdigkeit der Daten aus.

Ein griffiges Beispiel für die möglichen Fallen bietet sich derzeit etwa im Bereich Gebrauchtsoftware. In den letzten Wochen haben mehrere Händler verkündet, die Lizenzübergänge künftig per Blockchain »abzusichern«. Was Resellern und Kunden Sicherheit suggerieren soll und zumindest theoretisch auch könnte, erweist sich bei genauem Hinsehen in so manchem Fall als bloßes Feigenblatt. Während einige Anbieter tatsächlich die gesamte Lizenzhistorie bis hin zum Erstbesitzer und dessen Vertragsart und der Anzahl offen hinterlegen, bekommt der Käufer bei anderen nur wenig aussagekräftige Fragmente geliefert, deren Richtigkeit er nicht überprüfen kann.

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