Gebühr an der Ladenkasse wirkt: Auslaufmodell Plastiktüte?

Manchmal können 15 oder 20 Cent eine große Wirkung haben. Zum Beispiel bei Plastiktüten: Die verwenden die Deutschen viel weniger, seit sie kaum mehr gratis zu haben sind. Umweltschützer freuen sich - und wollen mehr.

Wasserverschmutzung durch Plastik

Die gewaltigen Plastikmüll-Mengen und vor allem die Verschmutzung der Meere hat die Politik als schwerwiegendes Problem erkannt. Derzeit wird unter anderem in Brüssel über eine Plastiksteuer diskutiert. Schulze will keine pauschale Plastiksteuer, kann sich aber eine Extra-Abgabe etwa auf nicht recyclebare Verpackungen vorstellen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist von einer Plastiksteuer »noch nicht überzeugt«, wie sie diese Woche im Bundestag sagte.

Die Grünen-Spitze dagegen nutzte die Gelegenheit, um für die Abgabe auf Plastikprodukte zu werben: »Politik wirkt, wenn sie will«, sagte Parteichef Robert Habeck der Deutschen Presse-Agentur. »Wir müssen jetzt dranbleiben und eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte einführen.« Nur mit zielgerichteten Maßnahmen bekomme man das Jahrhundertproblem Plastik in den Griff und stoppe die Vermüllung der Meere.

Die Zahl der deutschen Plastiktüten spielt in diesem Zusammenhang allerdings keine echte Rolle, denn sie landen selten im Meer. Deutschlands Anspruch ist aber, mit gutem Beispiel voranzugehen, wie Ex-Umweltministerin Barbara Hendricks betonte, als sie vor zwei Jahren die Selbstverpflichtung des Handels vorstellte.

Wie groß das globale Plastik-Problem ist, zeigte am Donnerstag unter anderem Greenpeace auf: In sieben von acht Wasserproben, die die Umweltorganisation während einer dreimonatigen Antarktis-Expedition genommen hatte, fanden sich Spuren von Mikroplastik. Zudem waren in sieben von neun Schneeproben giftige Chemikalien zu finden, die unter dem Kürzel PFAS oder PFC bekannt sind. Sie werden beispielsweise verwendet, um Outdoor-Bekleidung zu beschichten und bleiben über Jahre in der Umwelt.

»Die Antarktis mag uns als unberührte Wildnis erscheinen, doch auch dieses Ende der Welt ist schon verschmutzt durch Umweltgifte der Textilindustrie und die Rückstände des Plastikwahnsinns«, sagt Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace. Neben den Mikroplastikproben fand die Umweltschutzorganisation zwischen den Eisbergen auch Plastikmüll der Fischerei wie Bojen, Netze und Planen.

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