Raumfahrt-Visionen und Mitarbeiter-Proteste: Amazon-Chef Jeff Bezos in Berlin

Amazon-Chef Jeff Bezos wurde bei einer Preisverleihung in Berlin von dem Streit mit der Gewerkschaft Verdi eingeholt. Doch der reichste Mann der Welt präsentierte sich beim Axel Springer Award auch als Visionär.

Amazon als »Lottogewinn« für größere Projekte

Im rahmen der Preisverleihung des Axel Springer Awards betonte Jeff Bezos, wie wichtig Amazon faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter seien
(Foto: Axel Springer Award)

Bezos betonte, die einzige angemessene Verwendung für seinen Reichtum - »den Lottogewinn mit Amazon« - sehe er in Weltraumreisen. »Blue Origin ist teuer genug, um dieses Vermögen aufzubrauchen«, sagte er zu Lachern im Publikum. Bezos bekräftigte, dass er dafür weiterhin jährlich Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkaufen wolle. Bei der privaten Erkundung des Weltraums liefert sich Bezos einen Wettlauf mit dem ebenfalls milliardenschweren Tesla-Chef Elon Musk, der mit seiner Firma SpaceX zum Mars fliegen will.

Der Frage nach Attacken von US-Präsident Donald Trump, der Amazon und der ihm kritisch gegenüberstehenden Washington Post Steuertricks vorwirft, wich Bezos aus. Zugleich betonte er, dass er die aktuelle grundsätzliche Skepsis gegenüber Internet-Unternehmen verstehe. Die Firmen seien inzwischen so groß geworden, dass dies eine stärkere Aufsicht rechtfertige - und die Branche müsse einsehen, »dass das nicht persönlich gemeint ist«. Auch wenn es für die Unternehmer selbst vielleicht schwer nachzuvollziehen sei: Für ihn selbst sei schließlich immer noch frisch in Erinnerung, wie Amazon so klein gewesen sei, dass er selber Pakete zur Post brachte.

Internet-Firmen sollten zudem ihre Nutzer nicht unterschätzen: »Wenn man ihre Daten missbraucht, finden sie das heraus.« Bezos warnte zugleich, dass strengere Regeln Innovationen nicht behindern dürften. »Eine ungewollte Folge der Regulierung ist oft, dass sie dem Platzhirsch einen Vorteil verschafft.« Für Amazon könnte das angesichts der aktuellen Größe sogar günstig sein - »aber ich wäre nicht glücklich darüber«. Denn für die Gesellschaft sei kontinuierlicher Fortschritt wichtig.

Den undotierten Axel Springer Award erhalten nach Angaben des Medienkonzerns herausragende Persönlichkeiten, die in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Vorherige Preisträger waren 2016 Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und 2017 der britische Physiker und Informatiker Timothy Berners-Lee, der das World Wide Web erfand.

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