Raumfahrt-Visionen und Mitarbeiter-Proteste: Amazon-Chef Jeff Bezos in Berlin

Amazon-Chef Jeff Bezos wurde bei einer Preisverleihung in Berlin von dem Streit mit der Gewerkschaft Verdi eingeholt. Doch der reichste Mann der Welt präsentierte sich beim Axel Springer Award auch als Visionär.

»Weltmeister im Steuervermeiden«

Bezos bekam den Axel Springer Award für seine Rolle als erfolgreicher Web-Unternehmer
(Foto: Axel Springer Award)

Auch SPD-Chefin Andrea Nahles kritisierte die Verleihung des Preises an Bezos. Dessen »innovatives Unternehmertum« zeige sich vor allem darin, dass er mit anderen Internetplattformen »Weltmeister im Steuervermeiden« sei. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland seien schlecht, ein Tarifvertrag werde verweigert. »Und das ist glaube ich nicht hinnehmbar und verdient auch keinen Preis.« Verdi-Chef Frank Bsirske kritisierte, die Vergabe der Auszeichnung an Bezos habe »einen Hauch von Provokation«. Amazon komme seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht nach. »Wir wollen keine Amerikanisierung der Arbeitsbeziehungen.«

Bezos wies die Vorwürfe bei der Preisverleihung zurück. »Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen. Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen.« Amazon habe in Deutschland insgesamt 16.000 Mitarbeiter. Ohne Verdi direkt zu nennen, sprach er von Kritikern, die eigene Interessen verfolgten. »Wir haben Betriebsräte und wir haben eine sehr gute Kommunikation mit unseren Mitarbeitern und wir glauben nicht, dass wir eine Gewerkschaft als Mittelsmann zwischen uns und unseren Beschäftigten brauchen.« Am Ende liege die Entscheidung aber bei den Mitarbeitern.

Bezos hatte Amazon 1994 gegründet und entwickelte das Online-Buchgeschäft zum weltgrößten Einzelhändler und Anbieter von Cloud-Diensten weiter. Die Washington Post kaufte er in einer persönlichen Investition im Jahr 2013.