Leerstände und Verödung der Innenstädte: HDE: Deutsche Innenstädte in »höchster Not«

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert von der Politik Sofortmaßnahmen »zur Rettung vitaler Innenstädte«. Der Verband wendet sich gegen Fahrverbote und Handel auf der »Grünen Wiese«.

In manchen heute verödeten Innenstädten zeugen Piktogramme von einem einst lebendigen Stadtzentrum.
(Foto: Adobe Stock /jdoms)

Der HDE steckt wie viele seiner Interessensvertreter in einem Dilemma. Denn die seit Jahren gute Konjunktur und steigende Kaufkraft der Konsumenten lässt die Umsätze des Handels wieder steigen. Es gibt auf Seiten der Händlerschaft Gewinner: Das sind die großen Etail-Riesen und stationäre Handelsketten mit starken Online-Geschäft. Auf der anderen Seiten verlieren Tausende kleinerer Filialhändler und Ladeninhaber, weil die Kundschaft nicht mehr so zahlreich in die Stadtzentren kommt. Mit jedem Laden, der schließt oder durch einen Ein-Euro-Shop verdrängt wird, verlieren vor allem die Zentren kleiner Kommunen und mittelgroßer Städte an Attraktivität.

»Viele Innenstädte in Deutschland sind in höchster Not. Früher attraktive und vitale Zentren verlieren an Zugkraft, vielerorts finden beunruhigend wenige Menschen den Weg in die Fußgängerzonen und Ladenzeilen«, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. In der Folge sorgen Leerstände für eine Verschlechterung der Versorgungssituation in vielen Kommunen.

Jetzt hat HDE einen Brandbrief an den Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, geschrieben und fordert darin »Sofortmaßnahmen zur Rettung vitaler Innenstädte zu ergreifen.« Der innerstädtische Handel solle gestärkt werden, um die weitere Zunahme von Leerständen in vielen Stadtzentren zu stoppen.

Verlust des lebendigen Stadtzentrums, das ist für Genth auch ein Verlust der Heimat vieler Menschen. »Die Politik darf diesem Erosions-Prozess nicht länger nur zuschauen«, wendet sich Genth an den CSU-Politiker Seehofer, der, sollte es vielen noch nicht aufgefallen sein, tatsächlich auch die Ressorts Bau und Heimat in seiner Job Description findet.

Für den HDE müsse in einer funktionierenden Innenstadt die Mischung zwischen Handel, Gastronomie aber auch dem produzierenden Gewerbe stimmen. Genth spricht von »positivem Einkaufserlebnis, stimmiger Baukultur mit attraktiven Gebäuden und angenehmer Atmosphäre«. Da Händler auf den Ausbau digitaler Serviceleistungen setzen, müsse der Ausbau des öffentlichen WLANs und schnellem Internet stärkere Priorität bekommen.

Fahrverbote seien Gift für den stationären Handel, meint der HDE-Funktionär. »Der Handel ist davon gleich in doppelter Weise betroffen. Denn Fahrverbote behindern sowohl den Lieferverkehr als auch den Kundenverkehr.« Profitieren würden dadurch nur Online-Händler und Einkaufszentren auf der »Grünen Wiese«, die »städtebaulich und raumordnerisch unerwünscht« seien.

Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von derprinter , 11:41 Uhr

Eine nicht zu unterschätzende Ursache der Leerstände sind die oftmals horrenden und nicht zu rechtfertigenden Mieten für Ladenlokale. Die Hausbesitzer müssen begreifen, dass auch sie von den Auswirkungen des Online-Handels betroffen sind. Dann können sich auch kleinere Händler niederlassen, die mit einem vielfältigen Angebot die Innenstädte attraktiver machen.

Antwort von herbi-13 , 06:51 Uhr

Wenn ich als Dienstleister nicht mit dem Auto in die Innenstadt komme, kann ich meine Arbeit nicht mehr erledigen. Der Verbraucher sollte nicht bei Amazon & Co einkaufen, das vernichtet Arbeitsplätze und ganze Existenzen. Die Wegrationalisierung von Parkplätzen trägt stark dazu bei. Mit dem fahrrad kann ich meine Arbeit nicht erledigen und auch keine Lasten transportieren. Die Politik sollte endlich erkannt haben, dass viele Innenstädte nachts tot sind, weil sie nur noch als Fußgängerzonen gestaltet sind. Man soolte endlich einmal die Ergebnisse falscher Politik prüfen und damit aufhören die Innenstädte weiter kaputt zu machen. Ein gesunder Kiez entwickelt sich über Jahre, den kann man nicht planen undwenn die Politik hier eingreift geht es meistens in die falsche Richtung. Siehe z.B. Bermannstr. in Berlin. Blumenkübel, Parklets und Parkautomaten bewirken genau das Gegenteil. Wenn Menschen im "Grünen" leben wollen, sollen Sie nicht in eine Innenstadt ziehen!