Vom Massen- zum ­Spezialistenmarkt: Licht und Schatten in der Digital Imaging-Branche

Die Digital Imaging-Branche befindet sich am Scheideweg. Kompaktkameras sind rückläufig, dafür werden hochwertige Lösungen stärker nachgefragt.

Hans-Jürgen Schneider, Vertriebsleiter bei dexxIT
(Foto: dexxIT)

Der aktuelle digitale Strukturwandel verläuft weiter atemberaubend schnell und wäre ohne Imaging-Technologie nicht möglich. Humanoide Robotik, Holo-Lenses, VR-Brillen, 3D-Drucker, Drohnen und autonome Fahrzeuge. Das sind nur einige Beispiele, für die digitale Bildverarbeitung grundlegend ist und bei denen die Digital Imaging-Branche aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und Expertise als Taktgeber und Antreiber perfekt geeignet wäre. Doch zum einen sind diese Technologien noch Zukunft– statt Wertschöpfung wird hier noch einige Jahre Grundlagenforschung betrieben werden müssen. Zum anderen leidet die Branche unter neuer Konkurrenz aus dem IT- und UE-Sektor, die in traditionellen Marktsegmenten wildert. Dieses Problem spricht auch der Photoindustrie-Verband in ungewöhnlicher Deutlichkeit an: »Wertschöpfung und Monetarisierung sind in den vergangenen Jahren großenteils an den traditionellen ­Unternehmen der Foto- und Imagingbranche vorbeigelaufen«, so das konsternierte Fazit. Dazu gehörten der Verkauf von Smartphones als Kamera-­Ersatz, neue Produktkategorien wie ­Action Cams oder auch der Aufbau und die Kontrolle der Bildkommunikation durch internationale Konzerne wie Apple, ­Google, Yahoo und andere.

Vor allem Smartphones als Ersatz für günstige Kompaktkameras setzen den etablierten Herstellern arg zu. Die integrierten Kameramodule in aktuellen Smartphone-Topmodellen sind inzwischen in der Lage, bei ausreichendem Tageslicht gute, druckfähige Bilder zu schießen. Gleichzeitig hat man ein Smartphone immer dabei, muss nicht noch ein Gerät zusätzlich mit sich führen. Ein Umstand, den auch Hans-Jürgen Schneider, Vertriebsleiter beim Spezialdistributor DexxIT aus Würzburg, bestätigt: »Vor allem bei den Einstiegskameras bis 100 Euro ist die Situation sehr schwierig.« Die Zahl der verkauften Units sei stark rückläufig. »Hier bewegen wir uns auf deutlich niedrigerem Niveau als in den letzten Jahren«, so der Manager. Das spiegle sich inzwischen auch in der Warenverfügbarkeit bei den Herstellern wider. »Es werden kaum noch preiswerte Kompaktkameras hergestellt.« Ein Blick auf die Verkaufsstatistiken des Photoindustrie-Verbands zeigt auch, warum die Hersteller nicht mehr in das Einstiegssegment investieren. Wurden 2010 noch 7,6 Millionen Einheiten mit einem Gesamtwert von mehr als 1,1 Milliarden Euro verkauft, waren es 2013 nur noch 4,86 Millionen Stück für 814 Millionen Euro und im vergangenen Jahr sogar nur noch 3,62 Millionen Einheiten für lediglich 668 Millionen Euro. Gleichzeitig werden auch Multimedia-Camcorder sowie Action Cams in diese Zahlen mit einbezogen, wobei letztere Kategorie in den vergangenen Monaten einen großen Aufschwung erlebt.

Auf der anderen Seite haben sich die Smartphone-Verkäufe in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Waren es 2010 nur 7,7 Millionen verkaufte Einheiten zu einem Gesamtwert von 2,7 Milliarden Euro, wurden allein im vergangenen Jahr 24,1 Millionen Stück für insgesamt 8,8 Milliarden Euro abgesetzt – damit ist der Smartphone-Markt inzwischen mehr als zehnmal so viel wert wie der Markt für digitale Kompaktkameras.

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