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New Normal: Kyocera Document Solutions

»Nein, nein und definitiv nein!«

02. Juli 2020, 10:34 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

»Nein, nein und definitiv nein!«
© Kyocera

»Emotionen und Interaktionen sind nicht über Glasfaser übertragbar«, Dietmar Nick, Geschäftsführer Kyocera Document Solutions Deutschland

Ein Dietmar-Nick-Avatar für ein neues »Second Life«? Darauf gibt der Chef von Kyocera Deutschland eine unmissverständliche Antwort. Ihn bewegen aber ohnehin andere Themen: Neue Sourcing-Strategien zum Beispiel.

Vor einigen Jahren hatte man bei Kyocera in Meerbusch zwar den Katastrophenfall geübt. Dass der jemals eintreten würde, hatte wohl niemand beim Druckerhersteller für möglich gehalten. Dann kam Corona und über Nacht der Shutdown.  Aus dem leidenschaftlichen Channel-Netzwerker Dietmar Nick wurde ein nicht mehr ganz so brennend empfundener Remote-Motivator im Homeoffice. Das lag weniger an seiner Einstellung als vielmehr am technischen Format, zu dem der Geschäftsführer bei virtuellen Führungskräftemeetings greifen musste. »Emotionen und Interaktionen sind nicht über Glasfaser übertragbar«, sagt Nick. Was überdauert, was kennzeichnet ein »New Normal«, wenn das Schlimmste der Corona-Pandemie vorbei sein wird?

CRN: Der Shutdown hat den Druckermarkt beflügelt. Laut Context stiegen zuletzt die Stückzahlen, nicht aber gleichermaßen die Umsätze. Wie schlagen sich Kyocera und Reseller-Partner?
Dietmar Nick: Insgesamt ist der Markt für Dokumente wenig volatil. Kyocera Document Solutions und unsere Partner bewegen sich zum Großteil im B2B-Umfeld – Behörden, Gesundheitssektor und im gehobenen Mittelstand. Hier erwarten wir eine schnellere Rückkehr zur Normalität als im internationalen Großkunden-Umfeld und im Retail-/B2C-Segment. Generell ist die Liquidität unsere Partner als gut zu bewerten. Dennoch werden sich einzelne Konsolidierungen im Markt ergeben, wobei wir aber mit keinem substantiellen Umsatzverlust rechnen. Der Trend zur Digitalisierung von Dokumentenprozessen wird sich fortsetzen, hier sind wir mit unseren neuen Schwesterunternehmen Alos und Ceyoniq gut aufgestellt.


CRN: Klingt so, als ob es eine Rückkehr zu Pre-Corona-Zeiten geben könnte.
Nick: Das denke ich nicht. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Flexibilität in der Arbeitswelt und die Sicherstellung von Lieferketten eine höhere Bedeutung bekommen sollten als bislang. In Bezug auf die Beschaffung lediglich auf die günstigsten Preise zu setzen, ist keine valide Strategie mehr.

CRN:Der weltweite Shutdown hat die Verwundbarkeit zentraler Produktionsstandorte vor allem in Asien sowie der globalen Lieferketten aufgezeigt. Welche Konsequenzen hat Kyocera als globaler Hersteller gezogen?
Nick: In der Tat sind das Diskussion,  die hier geführt werden müssen. Nicht zuletzt deswegen hat die Kyocera Cooperation den Auftragsfertiger AVX mit einer Vielzahl von Produktionsstandorten weltweit übernommen.  Die Abhängigkeit von einzelnen größeren Produktionsstandorten wird daher mittelfristig nicht mehr vorhanden sein.


CRN: Geisterspiele im Sport, Geisterauftritte vor Monitoren. Wie hat jemand wie Sie, der vor und mit einem Präsenzpublikum richtig in Fahrt kommt, Videoconferencing im Homeoffice erlebt?
Nick: In Summe hat das sehr gut funktioniert, erstaunlicherweise zu gut und zu einfach. Damit hätte ich nicht gerechnet. Die Versuchung ist natürlich groß, zukünftige Präsenzmeetings durch Videokonferenzen zu ersetzen. Es ist augenscheinlich nicht nur effizienter, sondern spart auch definitiv Kosten.  Als Vertriebsunternehmen, das von physischen Treffen mit Menschen lebt,  finde ich es aber unabdingbar, dass wir soziale Kontakte gerade in der aktuellen Zeit leben. Wir sehen nach der WEBEX-Hochphase dieses Tool lediglich als sinnvolle Ergänzung zu unseren Kommunikations-und Meetingstrategien und kehren zeitnah zu persönlichen Besprechungen zurück.


CRN:Second Life wurde um die Jahrtausendwende als virtuelle Parallelwelt gehypt, bevor der schleichende Tod eintrat. Nun hören wir, dass Online-Messen die Zukunft gehört. Haben Sie den Dietmar-Nick-Avatar für kommende virtuelle Messen bereit in Auftrag gegeben?  
Nick: Nein, nein und definitiv nein! Virtuelle Formate können Präsenzmessen nicht ersetzen, sie könnten maximal punktuell ergänzen - mehr nicht. Emotionen und Interaktionen sind nicht über Glasfaser übertragbar.


CRN: Freiheit, Freizügigkeit, Konsum und freie Märkte: Viele Menschen in Demokratien erfahren erstmals einen »starken Staat«, der Grenzen setzt, der Sicherheit vor Freiheit stellt, und der massiv mit Hilfsprogrammen unterstützt. Was läuft gut, was nicht?
Nick: Ich finde die deutsche Politik hat das alles in allem sehr vernünftig gelöst. Etwas mehr Bescheidenheit und Abwägung von Ursache und Wirkung würde so manchem Hitzkopf in der aktuelle Phase ganz gut stehen.


CRN:  Namaste in Indien, Kopfverbeugung in Japan, Vulkanier-Gruß á la Spock: Was wählen Sie künftig als Alternative zum Handschlag?
Nick: Das entscheide ich einfach situativ: Wer mir die Hand geben will, dem werde ich Sie schütteln. Nur das beliebte Bussi Bussi in München lasse ich bleiben. Aber das mochte ich eh noch nie!

In der CRN-Serie »New Normal im Channel« sind bislang die Interviews erschienen:
Ingram Micro, Alexander Maier: »Flächenbrand im Mittelstand«
Axians, Jacques Diaz: »Corona hat als Wake Up Call gewirkt«

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