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CRN-Kopfnuss

Freiwillige Obsoleszenz

17. Januar 2020, 13:07 Uhr   |  kopfnuss@crn.de

Freiwillige Obsoleszenz
© Audrius Merfeldas - AdobeStock

Was tun, wenn Kunden zu lange an liebgewonnenen Elektronikgeräten festhalten? Man könnte ihnen eine Prämie für die Stilllegung versprechen - doch Vorsicht, das kann auch schiefgehen.

Irgendwie hatte man sich das bei Sonos anders vorgestellt. Besitzer alter Lautsprecher des Herstellers können diese per Software-Funktionen unbrauchbar machen und erhalten dafür einen dicken Rabatt beim Kauf eines neuen Gerätes. Was eigentlich den Verkauf ankurbeln sollte, wuchs sich ziemlich schnell zu einem Shitstorm aus – das Vorgehen, funktionierende Lautsprecher absichtlich in Elektroschrott zu verwandeln, sei eine ökologische Frechheit, lautete das Urteil vieler Internetnutzer. Zumal einige Kunden die besagte Funktion versehentlich aktiviert und ihre Boxen in nutzlose Wohnzimmerdekoration verwandelt hatten.

Äußerst ungeschickt wäre Sonos da gewesen, heißt es kopfschüttelnd in der Elektronikbranche. Schließlich hätte es ja nun genug Wege gegeben, die Nutzer weniger auffällig zum Kauf eines neuen Gerätes zu bewegen. Einfach schrittweise wichtige Funktionen und beliebte Onlineservices unter vorgeschobenen Kompatibilitätsproblemen für alte Geräte abschalten oder Teile verbauen, die nach einigen Jahren verschlissen sind, wie das allgemein üblich sei. Wer dem Nutzer die freie Entscheidung überlasse, wie lange er ein Gerät einsetze, sei ja wohl ziemlich blöd, lästert ein Manager hinter vorgehaltener Hand.

Der heftige Gegenwind, den das Upgrade-Programm hervorrief, traf Sonos völlig unerwartet. »Aber, äh ...«, stammelte ein Unternehmenssprecher auf einer eigens einberufenen Presskonferenz, auf der die Wogen eigentlich geglättet werden sollten. Angesichts der vielen Vorwürfe, man würde nur versuchen, den Gebrauchtmarkt auszutrocknen oder die Entsorgung der alten Lautsprecher auf andere abzuwälzen, kam er allerdings kaum zu Wort. Nachdem er sich etwas gesammelt hatte, erklärte der Sonos-Sprecher dann allerdings, die Leistung der alten Geräte sei nicht mehr ausreichend, um eine moderne Sonos-Benutzererfahrung sicherzustellen, sodass man mögliche Gebrauchtkäufer vor ihnen schützen müsse. Alles im Sinne des Kunden, versteht sich.

Was dann die Stimmung eher noch weiter gegen den Hersteller aufheizte. Informationen der CRN-Kopfnuss zufolge hat sich Sonos daher Berater ins Haus geholt, die Auswege aus der verfahrenen Situation finden sollen – eben jene gewieften Spezialisten, die schon den Abgasskandal per staatlicher Dieselprämie in ein Konjunkturprogramm für die Autoindustrie verwandelten. Ihr Vorschlag für Sonos nun: Den Boxen künftig einen Gratis-Hammer beilegen, mit dem die Geräte unbrauchbar gemacht werden können, wenn einem der Sinn nach einem neuen Lautsprecher steht. Eine »versehentliche Deaktivierung« sei auf diese Weise ausgeschlossen und die Handyvideos, die zum Beweis von der Aktion angefertigt werden müssen, würden garantiert zu einem viralen Hit.

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