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Interview

»Beim 3D-Druck braucht die IT-Branche Geduld «

09. November 2015, 07:09 Uhr   |  Elke von Rekowski

»Beim 3D-Druck braucht die IT-Branche Geduld «
© Context

Chris Connery ist Vice President Global Analysis and Research bei CONTEXT Chicago in den USA.

Im Markt für 3D-Druck herrscht Aufbruchstimmung. Bereits heute ist Westeuropa der zweitgrößte Markt. Der IT-Fachhandel profitiert allerdings noch wenig von dem Boom. CRN sprach mit Chris Connery, Vice President Global Analysis and Research bei CONTEXT, über den Markt, seine Entwicklung und die Chancen für den Channel.

Redaktion: Wo steht der europäische bzw. Deutsche Markt für 3D-Druck derzeit und wie wird er sich Ihrer Einschätzung nach entwickeln?

Chris Connery: Europa stellt seit langem einen großen Teil der 3D-Drucker-Branche dar, wobei einige der wichtigsten Firmen in diesem Gebiet ihren Sitz in Deutschland haben. 2014 machte Westeuropa weltweit 22 Prozent aller Lieferungen von 3D-Druckern (mit einer Preisspanne von unter 500 Euro und bis zu mehr als zwei Millionen Euro) aus. Das macht diesen Markt zum zweitgrößten regionalen Markt für diese Technologie. Wenn man über den »3D-Drucker-Markt« spricht, dann wird es jedoch immer wichtiger, dass man zwischen dem industriellen/professionellen Markt und dem neuen Desktop-/privaten 3D-Drucker-Markt unterscheidet. Der neue Desktop-/private 3D-Drucker-Markt ist der, über den sich die IT-Branche derzeit am meisten freut. Dieser Teilbereich des Markts ist zwar noch relativ klein, verzeichnet aber enorme Wachstumsraten und besteht aus weniger als 5.000 Euro teuren 3D-Druckern. Diese Produkte lassen sich auch sehr gut über die bestehenden Abverkaufskanäle der IT-Distribution vertreiben.

Im industriellen/professionellen Bereich, der bereits seit über 30 Jahren besteht, sind deutsche Firmen wie Concept Laser, envisionTEC, EOS, Realizer, SLM Solutions, voxeljet auf diesem Gebiet an der Spitze und stehen weltweit bei den Abverkäufen nach den USA an zweiter Stelle. Diese Unternehmen konzentrieren sich aber zum größten Teil auf die Industriebranche und bieten noch keine Desktop-3D-Drucker an, wie das bei den großen amerikanischen Firmen Stratasys (Hersteller von MakerBot) und 3D Systems (Cubify-/Cube-Desktop-3D-Drucker) der Fall ist.

Deutschland ist für die führenden Hersteller von 3D-Druckern wie XYZ-Printing, MakerBot, 3D-Systems einer der größten Märkte in Westeuropa.

Die bekannteste deutsche Marke für Desktop-/private 3D-Drucker ist die GermanRepRap Gruppe, die aus der »RepRap«-Bewegung hervorgegangen ist und die vor gerade einmal zehn Jahren den ersten Desktop-3D-Drucker vorstellte. RepRap hat seinen Ursprung in UK und bezeichnet freie 3D-Drucker, die sich selbst »replizieren« können, da die meisten Bauteile aus dem gleichen Kunststoff sind, mit denen gedruckt wird - in anderen Worten: Drucker, die Drucker herstellen!

Die Hobbygemeinschaften, die diese kostengünstigen 3D-Drucker (weniger als 5.000 Euro) herstellten, wuchsen zu Firmen heran, wobei GermanRepRap diese anführt. Weitere deutsche Marken, wie iRapid, sind ebenfalls in der IT-Branche des Desktop-3D-Drucker-Bereichs aktiv.

Redaktion: Welche Technologien spielen derzeit eine wichtige Rolle?

Chris Connery: Bei Desktop-/privaten 3D-Druckern ist mit weitem Abstand die marktführende Technologie der Extrusionsdrucker. Mehr als 97 Prozent der weltweit verkauften Desktop-/privaten Drucker verwenden heutzutage diese Schmelzschichttechnik, die auch als FDM (Fused Deposition Modeling) bekannt ist. Es gibt mindestens sieben additive Herstellungs-/3D-Druckertechnologien, wobei FDM eine der ältesten ist. Als vor einem Jahrzehnt Patente für diese Technologie ausliefen, begannen sowohl Hobbybastler als auch Firmen damit, Desktopversionen dieser Drucker herzustellen und die RepRap-Bewegung war geboren. In jüngerer Zeit kamen harzbasierte Drucker, die auf Photopolymerisation beruhen, auf den Desktop-/privaten Markt. Diese Art von Druckern wenden häufig Stereolithografie (SLA) an, um Objekte herzustellen, indem flüssiges Harz gehärtet wird. Die bekanntesten SLA-Drucker auf dem Markt kommen von Formlabs, die vor gerade einmal einigen Jahren aus einer erfolgreichen Kickstarterkampagne hervorgingen. Viele neue Desktop-/private 3D-Drucker-Anbieter nutzen auch weiterhin Crowdsourcing-Plattformen, wie Kickstarter und Indiegogo, um ihre Produkte auf den Markt zu bekommen und diese vorab zu verkaufen. Sobald dadurch die erste Investitionsphase abgeschlossen ist, fangen sie dann an, nicht nur die Produktqualität, sondern auch den globalen Vertrieb auszubauen.

Redaktion: Welche Voraussetzungen müssen Anbieter Ihrer Einschätzung nach mitbringen, um sich in diesem Marktsegment erfolgreich zu positionieren?

Chris Connery: Die erfolgreichsten Desktop-/privaten 3D-Druckeranbieter setzen vermehrt auf die klassischen IT-Abverkaufswege. Hier gibt es auf beiden Seiten eine Lernkurve, da viele der Marken in diesem Bereich Neulinge sind. Sie kennen die IT-Branche nicht und die IT-Branche kennt sie nicht. Wie bei vielen Start-ups, liegt der Fokus zunächst darauf die Technologie zur Marktreife zu bringen und ein massenproduzierbares Produkt anbieten zu können. Viele lernen schnell, dass ein qualitativ hochwertiges Produkt nur ein Teil des Erfolgs ist und dass es ebenso wichtig ist, einen guten Vertriebspartner zu haben.

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1. »Beim 3D-Druck braucht die IT-Branche Geduld «
2. Vergleichbar mit PC-Markt der 1980er

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