E-Commerce: Hassliebe zu Amazon

Amazon sorgt für Reichweite und Markenbekanntheit, weshalb viele Händler auf dem Marketplace vertreten sind – ob sie wollen oder nicht. Amazons Quasi-Monopolstellung wird damit gefestigt. Im eigenen Shop verkaufen Händler ihre Produkte oft viel günstiger.

100 Testprodukte haben Verbraucherschützer bei Amazons Marketplace-Händlern gekauft. Sie waren im Schnitt um 18 Prozent teurer als auf den primären Shopseiten der Händler.
(Foto: Verbraucherzentrale NRW)

Eine Shoppingtour beginnt und endet für viele Konsumenten bei Amazon, angefangen bei der Suche nach Informationen, der Bewertung anderer Käufer und abschließend natürlich dem Kauf eines Produkts. Zwei von drei Verbrauchern machen es so, weit über die Hälfte beschließt den Amazonbesuch mit einer Transaktion, sagt die Verbraucherzentrale NRW. Wozu also noch nach Alternativen suchen? Klar, es gibt im Netz sicher irgendwo noch einen Anbieter, der ein paar Euro billiger sein mag.

Dass Amazon bei weitem nicht die billigste Plattform ist, haben die Verbraucherschützer belegt. 100 Testprodukte haben sie bei Marketplace-Händlern gekauft. Sie waren bei Amazon im Schnitt um 18 Prozent teurer als auf den primären Shopseiten der Händler. Bei höherwertigen Waren wie Kaffeeautomaten kann die Differenz schon einmal ein paar Hundert Euro betragen.

Offenbar also schlagen die Händler ihre abzuführenden Amazon-Provisionen von 15 Prozent und mehr auf ihre Marketplace-Angebote drauf. Dabei scheint der Preis für den Verbraucher nicht das Maß aller Dinge zu sein. Amazon überzeugt sie vor allem mit einem recht großzügigem Kulanz- und Retourenservice, zu finden gibt es hier ohnehin fast alles: Nicht nur Produkte, sondern auch Entertainment-Angebote wie Prime Video, Musik und E-Books. Das schafft dauerhafte Bindung.

Aus Händlersicht gilt seit Jahren schon eine Multichannel- und Multishop- Strategie. Dabei ist Amazon als weltgrößtes Onlinekaufhaus für viele gesetzt, ob sie wollen oder nicht. Die Amazonisierung des Konsums läuft indes auf eine Monopolisierung des Online-Handels hinaus, mit allen Nachteilen zuerst für Händler und letztlich auch für Verbraucher. Deshalb wird der Ruf nach einer Zerschlagung solcher Plattformökonomien, wie sie Amazon, Apple, Google oder Facebook betreiben, lauter.

Im schwedischen E-Commerce dagegen leben die Händler auf einer Insel der Glückseeligen, ein Land ohne Amazon. Der US-Riese ist hier noch nicht präsent, die Vielfalt an lokalen Online-Shops dementsprechend intakt. Ob das auf Dauer so bleibt, darf bezweifelt werden. Manche Verbraucher in Schweden sehnen sich geradezu nach einer schwedischen Amazon-Webseite. Zehn Millionen Konsumenten, hohes Einkommensniveau und rund neun Milliarden Euro E-Commerce-Umsatz wird sich das expansive Online-Kaufhaus auf Dauer nicht entgehen lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich auch schwedische Händler in Hassliebe zu Amazon mit diesem Quasi-Monopolisten verbinden werden.