CRN-Kopfnuss: Ein Schiff wird kommen

Erste Versuche einer neuroassoziativen Sprachlenkung in der Politik sind noch nicht der große Wurf. Nach dem Desaster mit der maroden Gorch Fock holt Ursula von der Leyen zum werbetechnischen Befreiungsschlag aus.

Kostenexplosion Gorch Fock, aber CRN-Kopfnuss ist sich sicher: Das Mädchen, nicht aus Piräus, sondern aus Ixelles, wirds schon richten.
(Foto: AdobeStock/Gerhard1302)

»Für mich bitte ein profanes Weißbier«, bestellte einst Robert Beck in schöner Journalistenrunde sein Getränk und ließ den Bellini und sonstiges Modegesöff kredenzenden Kellner an der Seite stehen. Damit outete sich der Ingram Micro-Manager als überaus sympathischer Verfechter ganz praktischer und ungeschminkt bayerischer Lebenskultur. Ob Bier im Bauchnabel so schön prickelt oder »mit frischem Felsquellwasser [Vorsicht: markenrechtlich geschützt!] gebraut« daherkommt, das interessiert Beck schlichtweg nicht. Man würde ihn deshalb auch aus jeder Molekularküche zerren, bestellte er sich dort ein ehrliches Wiener Schnitzel, »aber bitte auf einem Teller und nicht im Reagenzglas!«

Weidemilch, Gärtnerinnensalat, kolorierte Pasta an jungen Gemüsen: Gastonomen wissen längst, dass Genuss im Kopf entsteht und meist auch nur dort, sei nebenbei bemerkt. Der Kniff funktioniert trotzdem. Die Kreativbranche beglückt uns immer wieder mit so perfekt durchkonditionierten Reaktionsmustern, dass wir tatsächlich an die Werbung glauben, in Irland scheißen glückliche Kühe das Gold der grünen Insel, das viel mehr sein muss als nur schlichte Butter.

Erste neuroassoziative Experimente der Sprachlenkung gibt es auch in der Politik. Das seit Jahresbeginn in Kraft getretene »Gute KiTa-Gesetz« aus dem Hause des Bundesfamilienministeriums ist da rhetorisch sicher noch nicht der große Wurf. Man hätte einen Teil des 5,5 Milliarden Euro schweren Pakets besser bei Jung von Matt investieren sollen, statt einem Praktikanten den Versuch einer werbewirksamen Benamsung dieses Gesetzes anzuvertrauen.

(Foto: Bundeswehr / Kim Brakensiek)

Im Ressort von Ursula von der Leyen geht man die Sache - übrigens gewohnt spendabel - ganz anders an. Die Bundesverteidigungsministerin steht wegen des Kostendesasters bei der Reparatur des maroden Schulschiffs Gorch Fock gewaltig unter Druck. Da hilft jetzt freilich kein sprachliches Herumdoktern mehr. Es muss ein werbetechnischer Befreiungsschlag her: Das schöne Mädchen, nicht aus Priäus, sondern dem belgischen Ixelles, wird auf dem Bug der virtuellen Gorch Fock stehen und das unvergessliche »Ein Schiff wird kommen« singen, begleitet von den letzten Überlebenden der legendären Fischer Chöre. Sharen, retweeten, liken und sonst wie goutieren auf allen Social Kanälen, herzlich willkommen! Wer sich da nicht mitreißen lässt, ist selber schuld.