Sharp-Übernahme wird zur Zitterpartie: Foxconn kriegt kalte Füße

Die Übernahme von Sharp durch Foxconn schien bereits in trockenen Tüchern. Doch dem Apple-Zulieferer ist das Risiko anscheinend doch zu hoch. Insider nennen bisher unbekannte Schulden in Milliardenhöhe bei dem Displayspezialisten als Grund dafür, dass der Deal derzeit trotz Einigung noch auf Eis liegt.

(Foto: Otsu4 - CC BY-SA 3.0)

Der Sharp-Vorstand hatte das rund 5,4 Milliarden Euro schwere Kaufangebot des Apple-Zulieferers Foxconn bereits einstimmig angenommen. Doch jetzt steht die Einigung erneut auf der Kippe. Denn trotz des Sieges im Übernahme-Poker legte Foxconn, die Unterzeichnung des Vertrages mit Sharp nun solange auf Eis, »bis ein Konsens erzielt ist«, wie die Taiwaner mitteilten. Insider nennen bisher unbekannte Schulden der Japaner in Milliardenhöhe als Ursache für die Verzögerung der Übernahme. Anscheinend ist Foxconn das Risiko womöglich doch zu groß.

Mit der Übernahme des Displayspezialisten will Foxconn, das in Taiwan unter Hon Hai Precision an der Börse gelistet ist, seine Position gegenüber Apple stärken und sich für den Wettbewerb mit Samsung rüsten. Der Unternehmensgründer Terry Gou zeigt bereits seit 2012 sein Interesse an dem japanischen Traditionsunternehmen. Das Geld soll in erster Linie in OLED-Displays investiert werden, die Sharp ab 2018 in Massenproduktion fertigen soll. Die Technik könnte dann in den iPhones von Apple zum Einsatz kommen, was Foxconn höhere Margen garantieren würde. Zudem stärken OLED-Displays von Foxconn die Unabhängigkeit Cupertinos vom Konkurrenten Samsung. Schließlich haben die Südkoreaner derzeit bei OLED-Displays die Nase vorn.

Sollte die Übernahme dennoch über die Bühne gehen, wäre es die größte Übernahme eines ausländischen Investors in Japan und eine Schlappe für die japanische Regierung. Schließlich hatte sie mit Hilfe eines Fonds noch versucht, die Übernahme des angeschlagenen japanischen Traditionsunternehmens durch Hon Hai zu verhindern. Doch das Angebot der staatlichen Auffanggesellschaft »Innovation Network Corporation Japan« (INCJ) konnte finanziell nicht mit dem Angebot aus Taiwan mithalten. INCJ wollte laut Medienberichten rund 2,5 Milliarden US-Dollar in Sharp investieren.