René Korte, Roccat-CEO, im CRN-Gespräch: »Es wird keinen Paradigmenwechsel geben«

René Korte, Roccat-CEO, sieht Casual-Gaming nicht als Gefahr, sondern als Chance gür den kompletten Gaes-Markt.

René Korte, CEO von Roccat (Foto: Roccat)

CRN: Wie stark ist mittlerweile der Stand von Mobile Devices im Gaming-Markt? Ist hier für die kommende Zeit ein kompletter Paradigmenwechsel zu erwarten?

René Korte: Natürlich haben sich mobile Spiele auf entsprechenden Geräten längst etabliert aber was dort passiert ist im Grunde nicht unser Verständnis von Gaming.Wir haben unsere Wurzeln im Esport und sowohl wir als auch unsere Zielgruppe verstehen Gaming als Wettkampf, bei dem jeder der Sieger sein möchte. „Unser Gaming“ erfordert präzise, technologisch anspruchsvolle und ergonomisch ausgereifte Eingabegeräte – da reicht es nicht, mit dem Finger über einen Screen zu wischen – und das ist nicht respektlos gemeint. Auf der anderen Seite war für uns die Entwicklung von Peripherie für mobile Geräte nie ein Thema. Diese Spiele sind für die Gestensteuerung konzipiert und so sollten sie auch bedient werden. Ich glaube daher nicht, dass es einen Paradigmenwechsel geben wird. Mobile Gaming wird weiterhin den Casual-Bereich abdecken und dort auch in Zukunft noch mehr Menschen für digitale Spiele begeistern. Der PC-Bereich wird davon unberührt bleiben, denn unsere Zielgruppe hat einen völlig anderen Anspruch an das Gaming.

CRN: Besonders PC-Gamer gelten bisher als zuverlässige und kauffreudige Zielgruppe. Macht sich die Verschiebung zu Mobile-Gaming auch bei den Käufen bemerkbar oder wächst gleichzeitig die Zahl der Spieler?

Korte: Innerhalb der klassischen PC-Sparte ist Gaming der einzige Bereich mit Wachstum. Mobile-Gaming ist für unsere Zielgruppe maximal ein netter Zeitvertreib, d.h. wir verlieren dadurch keine Käufer. Ich denke es gibt eher die umgekehrte Bewegung – jemand der „Plants vs. Zombies“ auf dem iPhone gespielt hat, bekommt irgendwann Lust auf ein „richtiges“ Spiel. Ich kann für ROCCAT nur sagen, dass wir seit der Firmengründung auf Wachstumskurs sind und auch die Prognosen für die nächsten Jahre deutlich positiv aussehen.

CRN: Sehen Sie für die Zukunft weiterhin getrennte Märkte für Konsolen, PCs und Mobiles oder könnte es wie im Falle der neuen Roccat-Tastatur Überschneidungen geben?

Korte: Es wird aus unserer Sicht ein stärkeres Zusammenwachsen der einzelnen Segmente geben. Die Skeltr Tastatur ist ein erstes Beispiel dafür, wie wir dieser Entwicklung durch eine neue Designphilosophie unserer Produkte zukünftig Rechnung tragen werden.Modularität, Vernetzung und die Adaption von Bedürfnissen der Nutzer sind dabei die wichtigsten Aspekte. Das Skeltr integriert erstmals das Smartphone intelligent in ein Keyboard. Ich kann mein Smartphone als Second Screen nutzen bzw. als zusätzliches Input Device Makros, Shortcuts darüber eingeben. Werde ich angerufen, genügt ein Knopfdruck auf der Tastatur und ich habe das Gespräch auf meinem Headset. Ein weiteres Beispiel ist das Sova Konzept, das wir im Juni auf der E3 vorgestellt haben. Es bringt die PC-Steuerung von Spielen mit Maus und Keyboard ins Wohnzimmer. Das Sova ist eine Kombination aus mechanischer Tastatur und Mauspad, an die sich jede kabelgebundene Gaming-Maus anschließen lässt. Jeder spricht über „Living Room Gaming“, über Streaming oder SteamOS. Die weltweit populärsten Spiele wie League of Legends oder Dota 2 funktionieren in diesem Umfeld aber nur, wenn man sie auch hier mit Maus und Keyboard steuern kann. Das Sova ist genau hierfür konzipiert und es läuft ganz bewusst mit Windows und SteamOS aber auch mit Android.

CRN: Welche Ansprüche stellen Käufer mittlerweile an Gaming-Peripherie? Was hat sich hier in den vergangenen Jahren geändert?

Korte: Ich denke die grundlegenden Ansprüche haben sich über die letzten Jahre kaum verändert: Käufer wollen qualitativ hochwertige, innovative Produkte haben, deren Features sie in ihrem Lieblingsspiel vorwärts bringen. Neu ist eine stärkere Einbindung der Nutzer, wenn es um Entwicklungsprozesse geht. Wir hatten schon immer eine sehr aktive Community und es gab bereits in der Vergangenheit Features, die durch das Feedback der Nutzer beeinflusst waren. Mit dem ROCCAT Sova Konzept machen wir den nächsten Schritt und sind damit Vorreiter: Das Schlagwort für uns ist „Consumer Integrated Development“. Wir dokumentieren den Entwicklungsprozess in einem Blog, wir machen gezielte Umfragen und gehen auf Fragen oder Kommentare ein. Wir werten dann die Meta-Information aus und wissen so, welche Features oder Design-Aspekte für die Nutzer am relevantesten sind.
Darüber hinaus schauen wir natürlich auch auf Entwicklungen bei den Games selbst. Ein gutes Beispiel ist die ROCCAT Tyon Maus, die nach der gamescom in den Handel kommt. Sie hat einen analogen Daumenschalter, der bei der Steuerung von Fahrzeugen in Battlefield oder Warthunder große Vorteile bietet. Beide Spiele sind momentan sehr beliebt und die Tyon bietet allen Spielern dieser Titel ein einzigartiges Feature. Wir sind also in der Lage, durch unseren effizienten Designprozess ein Produkt zur richtigen Zeit in den Handel zu bringen, um für die entsprechende Nachfrage zu sorgen. Für andere Spiele-Genres gibt es andere Ansprüche der Gamer und wir präsentieren auf der gamescom eine weitere, sehr spannende Lösung.

CRN: Bietet Gaming-Zubehör den Händlern weiterhin hohe Margen? Können Reseller von diesem Handel profitieren?

Korte: Im Prinzip haben alle heute erfolgreichen PC Spiele einen Online-Modus, um sich mit anderen zu messen. Viele Titel basieren sogar komplett auf diesem Gedanken: Stichwort League of Legends. Die Hardware inkl. der Peripherie ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Spieler. Mehr Frames per Second, ein präziserer Sensor, intelligentes Makro-Management – all das hilft den Leuten dabei ihr Ziel zu erreichen: Es hilft dabei zu gewinnen. Solange das so ist, wird der Handel enorm profitieren weil garantiert ist, dass Kunden ihr Equipment regelmäßig erneuern, um up to date zu sein. Dazu kommt die Wachstums-Tendenz im PC-Gaming insgesamt. Wir haben auf der E3 mit einem großen Retailer gesprochen, der uns sagte man wolle dort mehr auf PC Gaming anstatt auf Konsole setzen – ich kann mir vorstellen, dass das auch anderswo eine Überlegung ist.