Justiz Niedersachsen setzt auf Tinte statt Laser: Epson bewegt Behörden zum Umdenken

Als »Paukenschlag in der Druckerbranche« bezeichnet Epson-Deutschlandchef Henning Ohlsson den neu gewonnenen Deal über 4.000 Inkjet-Drucker. Auch andere Behörden verabschieden sich vom Laserdruck.

Strategischer Deal: Henning Ohlsson sieht das Ende des Laserdrucks in deutschen Büros (Foto: CRN)

Für das Motto »Bye, bye Laser« steigt Epson-Deutschlandchef Henning Ohlsson gerne einmal in die Pedalen, um die 27 Watt zu erzeugen, die ein Inkjet-Drucker verbraucht. Es hätte 30 strampelnde Henning Ohlssons gebraucht, um die Menge an Strom zu erzeugen, damit ein entsprechendes Dokument aus einem Laser-Gerät hervortritt. Mit solchen werbewirksamen Inszenierungen auf der vergangenen CeBIT hatte Epson das Interesse für seine Tintenstrahltechnologie geweckt – offenbar mit Erfolg. Die Justiz Niedersachsen jedenfalls ließ sich die Energieeffizienz vorrechnen und kam – unter Berücksichtigung von Kosten für Verbrauchsmaterialen und weiterer Bestandteile - zu der Überzeugung, dass Tintendruck im Vergleich zu Laser rund um die Hälfte billiger ist (TCO-Vergleich). 4.000 Epson Business-Inkjet-Drucker des Modells WorkForce Pro WP-M4095 werden nun Laserdrucker in dieser Landesbehörde ablösen. Epson-Partner on line Datensysteme hat die ersten Inkjets bereits ausgeliefert. Es soll nicht die einzige Behörde sein, die Abschied vom Laserdruck nimmt.

»Öffentliche Auftraggeber stellen jetzt um und tauschen Lasersysteme gegen Tintentechnologie«, sagt Ohlsson im Gespräch mit CRN. Der Deal hat sich in der Branche längst vor der offiziellen Pressemitteilung herumgesprochen und dürfte vor allem jenen Herstellern zu denken geben, die ausschließlich auf Laser setzen. Ohlsson spricht denn auch von einem »Paukenschlag in der Druckerbranche«. Ein Signal, dass jetzt auch den deutschen Mittelstand für Tinte überzeugen soll.

Hier sehen Ohlsson und Paul Schmidt, Vertriebsleiter für den Business-Bereich bei Epson, besonders viel Potenzial. Denn schließlich stehen in den Büros hierzulande ganz überwiegend noch Laserdrucker, die nicht nur viel Strom fressen, sondern auch im Ruf stehen, Toner- und Feinstaub freizusetzen. Berichte über den Ausstoß gefährlicher Nanopartikel (siehe Wiso-Sendung) könnten neben den Kostenvorteilen ein weiteres Argument sein, warum auch die Privatwirtschaft ihre Lasersysteme nach und nach austauschen könnte.

Beim Bitkom jedenfalls dürften Ohlsson mit der Kampagne »Bye, bye Laser« auf wenig Verständnis stoßen. Der Branchenverband will einen Wachstumsmarkt nicht gefährdet wissen und weist gesundheitliche Gefahren durch Emissionen zurück. Dafür gebe es keine wissenschaftlichen Beweise, heißt es aus Berlin. Ungeachtet dessen sind Laserdrucker gefragt wie noch nie. Laut IDC ist der Markt für Laserdrucker im zweiten Quartal 2013 um über 40 Prozent gestiegen. Für den von Epson eingeläuteten Abschied ist es noch zu früh. Epson indes arbeitet unverdrossen mit seinem Channel daran, bei Mittelstandskunden einen Bewusstseinswandel herbeizuführen. »Tinte ist die Drucktechnologie der Zukunft«, unterstreicht Ohlsson.