Neue Geschäftsfelder für Fachhändler und Systemhäuser: Die Digitalisierung der Sicherheitstechnik

Das Geschäft mit Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Alarmanlagen und Brandschutz boomt. Für Fachhändler und Systemhäuser aus der IT-Branche tut sich ein attraktives Geschäftsfeld auf, weil die einst analoge Technik zunehmend digitalisiert und damit zum Bestandteil der IT-Infrastruktur wird. Gegen neue Konkurrenten aus dem Elektro- und Errichter-Business können sie vor allem mit ihrer IT-Erfahrung punkten.

Handwerkliches Geschick

Thomas Fritz, Geschäftsführer von Kentix
(Foto: Kentix)

Mit der Digitalisierung von Sicherheitstechnik stoßen allerdings auch Elektriker, Installateure und Errichter in die IT-Branche vor und machen dem klassischen IT-Channel Konkurrenz. Dessen Vorteil ist, dass er bereits in dem Bereich zu Hause ist, in den sich die Technik entwickelt, und den neuen Anbietern daher das IT-Know-how voraushat. Mit der Integration der neuen Systeme tut er sich daher deutlich leichter, Schwierigkeiten bereiten allenfalls mechanische und elektronische Installationsarbeiten, für die es handwerkliche Fähigkeiten braucht. Die Industrie reagiere darauf jedoch mit einfacher zu installierenden Systemen, erklärt Thomas Fritz, Geschäftsführer von Kentix, eines Herstellers von Überwachsungsanlagen und Schließsystemen. So werden Zugangskontrollsysteme etwa über Power over Ethernet mit Strom versorgt und mechanische Türzylinder können einfach durch elektronische, vernetzbare Zylinder ausgetauscht werden. Dazu kommt, etwa bei Alarmanlagen und Videoüberwachungssystemen, Funktechnik zur Datenübertragung. »Aber natürlich wird es auch Installationen geben, welche einen Spezialisten mit handwerklicher Ausbildung benötigen. Hier ist dann die Zusammenarbeit mit dem passenden Partner wichtig«, sagt Fritz. Auch Michaela Höllering von Allnet denkt, dass IT-Fachhändler und Sicherheitsintegratoren sich annähern und voneinander lernen sollten.

Einig ist man sich in der Branche, dass das Potenzial der digitalen Technik enorm ist. »Der Markt ist noch lange nicht durchdrungen und es bestehen große Wachstumschancen«, so die Einschätzung von Ingrams Klaus Donath. Auch Thomas Fritz sieht Physical Security noch am Anfang eines Wachstumsschubs, der durch neue Lösungen, aber auch neue IT-Sicherheitsgesetze und Compliance-Anforderungen ausgelöst wurde. »Der Ausstattungsgrad an Sicherheitstechnik in den Unternehmen und Haushalten ist besonders in Deutschland noch sehr gering ausgeprägt. Für den IT-Channel sehe ich hier wesentlich mehr Potenzial als im Bereich Smart Home, der mit hohem Wettbewerb und geringen Margen einhergeht.«

Wichtig für Fachhändler und Systemhäuser wird sein, auf skalierbare Lösungen mit Schnittstellen zu setzen, um diese in die bestehende Landschaft integrieren und bei Bedarf gut erweitern zu können. »Reseller und Integratoren sind in ihrer Gestaltungsmöglichkeit mit proprietären Systemen deutlich eingeschränkt. Statt für jede Anforderung die passende Lösung einsetzen zu können, müssen sie sich auf das Angebot des, oftmals schon vor längerer Zeit und unter anderen Bedingungen ausgewählten, Herstellers beschränken«, warnt Ernst Westerhoff von Axis. Das erschwert es dann deutlich, Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und Alarmsysteme zu verbinden und mit passenden anderen Lösungen zu ergänzen, etwa NAS-Systemen für die Videospeicherung. »Gerade mittelständische Unternehmen wünschen sich Lösungen aus einer Hand und möchten nicht für jeden Bereich einen zusätzlichen Partner haben«, so Westerhoff.