Die Probefahrt bleibt analog: Wie wir in Zukunft Autos kaufen

Ist das große Autohaus am Stadtrand ein Auslaufmodell? Händler erhoffen sich durch digitale Helfer neue Chancen auf kleinen Flächen.

Vom lebensgroßen Flachbildschirm begrüßt eine blonde Dame im grauen Hosenanzug ihre Kunden im Autohaus der Zukunft. Freudestrahlend erklärt sie die Vorzüge einer App, die per Smartphone durch das Geschäft leitet und Informationen zu den Fahrzeugen liefert. Will man mit der virtuellen Verkäuferin kommunizieren, wischt man durch die Luft und gestikuliert.

Digitaldienstleister wie Ameria und Mackevision, die auch die Fantasy-Serie »Game of Thrones« mit aufwändigen Animationen versorgen, präsentierten in Stuttgart diese Technologie. Das Ziel: Kunden ins Autohaus zu locken in Zeiten, in denen sich Autos auch bequem online kaufen lassen und ein boomender Carsharing-Markt viele Menschen ganz vom Autokauf abhält.

»Bisher war der Autohandel ziemlich analog«, sagt Burkhard Weller, der mit seiner »Wellergruppe« 36 Autohäuser in Deutschland betreibt. In den vergangenen Jahren hat er zwei Mitarbeiter eingestellt, die sich ausschließlich um Digitalisierung kümmern. Heute kommen in neun von Wellers Häusern »Augmented Reality-Apps« (»erweiterte Realität«) zum Einsatz: Den weißen Sportwagen mal mit rotem, glänzenden Lack anschauen? Und schwarzen statt hellen Ledersitzen? Per Tablet kann jedes Ausstellungsstück den eigenen Wünschen nach angepasst werden.

Händler müssen nicht mehr ganze Fahrzeugflotten und Farbpaletten ausstellen, sondern können auf kleineren Verkaufsflächen einzelne Prototypen zeigen. Innenstadtlagen mit mehr Laufkundschaft werden für Autohändler attraktiver. »Das ist die Zukunft«, sagt Weller.

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