Netzneutralität in den USA gekippt: Internetprovider als Mautstellen im Netz

Die Regulierungsbehörde FCC hat in den USA die Netzneutralität abgeschafft. Amerikanische Service-Provider fürchten nun Einschränkungen durch priorisierten Datenverkehr. Ein riskantes Modell, das sich Bitkom und Breko auch für Deutschland wünschen.

Wer schnellste Datenübertragung will, muss in den USA künftig mehr bezahlen: Das befürchten Cloud-Anbieter in den USA nach dem Fall der Netzneutralität
(Foto: Fotolia/JevantoProductions)

Seit Mittwoch vergangener Woche ist die Netzneutralität in den USA Geschichte. Mit 3:2 Stimmen stimmte die US-Regulierungsbehörde FCC gegen eine grundsätzliche Gleichbehandlung aller Daten im Internet. Vor allem Internetprovider dürften sich die Hände reiben, schließlich werden sie so zu einer Art Mautbetreiber im Internet, der sich die Priorisierung von Diensten im Netz teuer bezahlen lassen kann.

Vor allem amerikanische IT-Dienstleiter machen sich nun Sorgen, dass sich die neuen Spielregeln im Netz negativ auf ihre Geschäftsmodelle auswirken könnten. Sie fürchten, dass ihre Cloud-Dienste nicht mehr in gewohnter Qualität durch die Netze der ISPs geleitet würden, wenn sie die Übertragungsgeschwindigkeit von Datenpaketen zu priorisieren beginnen. Internetprovider könnten dann bestimmte breitbandanhängige Dienste und Applikationen gegen ein höheres Entgelt schneller transportieren.

»Wird Salesforce eine Art Netzneutralitätssteuer bezahlen, damit ihre Dienste besser performen als die der Wettbewerber? Und was passiert mit neuen Unternehmen, die nicht tief ins Portemonnaie greifen können, um ein solches Lösegeld für das Breitband zu zahlen«, fragt sich Allen Falcon, CEO des Cloud-Providers Cumulus Global.

Noch ist unklar, ob ISPs ihre in den USA nun faktisch beschlossenen Möglichkeiten auch ausnützen werden, Entgelte für priorisierte Dienste zu verlangen, wie CRN USA schreibt. Die Gefahr indes ist real, dass finanzschwächere Cloud-Anbieter gegenüber Riesen wie Salesforce in den USA ausgebremst werden könnten.

Hierzulande dürften Verbraucher und Unternehmen die Folgen nur indirekt zu spüren bekommen. Denn in Europa ist die Netzneutralität seit über einem Jahr durch eine Leitlinie der EU-Telekom-Regulierungsbehörde »Berec« geschützt. Sie sorgte auch dafür, dass die Telekom ihren »StreamOn«-Tarif einschränken muss, um ihn anbieten zu können. Bei mobilen Datendienst »StreamOn« der Telekom wird das verbrauchte Datenvolumen nicht auf das Inklusivvolumen eines Kunden angerechnet, wenn Audio- oder Videodienste von sogenannten Content-Partnern genutzt werden.

In bestimmten Tarifen wird bei Videostreaming jedoch die Datenübertragungsrate gedrosselt und die Streamqualität verschlechtert. Die Drosselung sowie der Wegfall der Volumenbefreiung im Ausland lehnt die Bundesnetzagentur allerdings aus Gründen der hierzulande geltenden Netzneutralität ab.

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