»Signifikant unterbewertet«: Qualcomm will sich nicht für 130 Milliarden Dollar übernehmen lassen

130 Milliarden Dollar bietet der Chiphersteller Broadcom für seinen Konkurrenten Qualcomm. Dessen Verwaltungsrat hat die Offerte jetzt als zu niedrig zurückgewiesen. Broadcom will sich davon aber nicht abhalten lassen.

Qualcomm-Zentrale in San Diego
(Foto: Qualcomm)

Der Kauf von Qualcomm durch Broadcom scheint auf eine zähe Übernahmeschlacht hinauszulaufen. Nachdem Broadcom in der vergangenen Woche ein Angebot über 130 Milliarden Dollar unterbreitete, wurde dieses nun vom Qualcomm-Verwaltungsrat zurückgewiesen. Das Angebot würde Qualcomm angesichts der Führungsposition im Mobilbereich und der Wachstumsaussichten der Firma »signifikant unterbewerten«, sagte Paul Jacobs, Executive Chairman und Chairman of the Board. Tom Horton, der geschäftsführende Director, ergänzte zudem, es bestünde eine große Unsicherheit, ob die Wettbewerbsbehörden der Übernahme überhaupt zustimmen würden.

Das allerdings sehen Experten als unwahrscheinlich an, da die Geschäfte der beiden Firmen sich nur in wenigen Bereichen überschneiden. Broadcom produziert vor allem WLAN- und Bluetooth-Chips, während Qualcomm sein Geld überwiegend mit Mobilfunkchips verdient. Zudem hatte Broadcom bereits angekündigt, seine Firmenzentrale in die USA zu verlegen – wohl auch um Einwände der dortigen Wettbewerbshüter gegen eine Auslandsübernahme des amerikanischen Herstellers Qualcomm zu zerstreuen.

Bei Broadcom will man sich vom Nein des Konkurrenten nicht abhalten lassen und bekräftigte, die Übernahme durchziehen zu wollen. Der gebotene Preis von 70 Dollar pro Qualcomm-Aktie sei ein Aufschlag von 28 Prozent auf den Schlusskurs vor dem Gebot, betonte der Hersteller. Intern wird aber bereits ein höheres Angebot geprüft, zudem gibt es laut Reuters die Möglichkeit, bis zum 8. Dezember eine eigene Liste mit Kandidaten für den Qualcomm-Verwaltungsrat einzureichen und zur Wahl zu stellen. »Wir werden gut beraten und kennen unsere Optionen, und wir haben keine davon ausgeschlossen«, sagte Broadcom-CEO Hock Tan der Nachrichtenagentur.