Helfer aus der Luft: Drohnen retten Bambi

Paketlieferung, Samenausbringung, Luftaufnahmen – Drohnen werden heute in vielen Bereichen eingesetzt. Sogar in der Wildtierrettung. CRN hat einen Copter-Piloten auf seiner »Mission Bambi« begleitet und erfahren: Manchmal hilft nur der Blick von oben.

(Foto: CRN)

Versteckt im hohen Gras liegt ein neugeborenes Rehkitz und schläft. Keine zehn Kilometer entfernt bereitet ein Bauer seine Mähmaschine vor. Die Mahd steht an. Auf der Wiese oberhalb des Weilers Lindscheidermühle in Nümbrecht ist es noch still. Dann steigt mit lautem Brummen eine Drohne mit vier Propellern, auch Quadrocopter genannt, in die Luft. Gert Mürmann steuert sie: »Ich suche nach Rehkitzen, um sie vor dem sicheren Tod zu schützen. Aber auch den Bauern erspare ich mit meiner Arbeit viel Ärger.«

Denn in der Sommerzeit, wenn die Wiesen gemäht werden, setzen Rehmütter ihre Kitze im vermeintlichen Schutz des hohen Wuchses ab. Die jungen Tiere haben in den ersten vier Wochen noch keinen Fluchtinstinkt. Droht Gefahr, drücken sie sich noch tiefer in den Boden und bewegen sich keinen Millimeter. Die Folgen sind im Frühling in freier Natur oft zu sehen: Krähen und Aasfresser zanken sich um ein Häufchen Fell, Fleisch und Knochen - Überreste eines Rehkitzes, das von den scharfen Klingen einer Mähmaschine erfasst wurde. Abgetrennte Läufe und andere schwere Verletzungen sind keine Seltenheit. Für die Landwirte keine leichte Sache, die jungen Tiere so zu finden und eventuell noch von ihrem Leiden befreien zu müssen. Rund 100.000 junge Rehkitze sterben auf diese Weise in Deutschland jährlich qualvoll. Gelangen die Überreste dann auch noch ins Futter der Nutztiere, besteht die Gefahr, dass Kühe und Schafe sterben.

Moderne Technologie soll Abhilfe schaffen: Statt das hohe Gras zu Fuß zu durchkämmen und ein junges Tier am Ende vielleicht doch noch zu übersehen, fliegt eine Drohne die Wiese ab. »Die Vogelperspektive hilft mir enorm, da ich einen großflächigeren Überblick bekomme«, erklärt Mürmann. Revierleiter Bernd Steinhausen steht neben Mürmann und beobachtet den Quadrocopter. Er betreut das Forstgebiet und ist bei »Mission Bambi« immer mit vor Ort, obwohl er die neue Methode skeptisch beobachtet: »Ich verlasse mich lieber auf meine eigenen Augen.« Dennoch koordiniert er die Rehkitzrettung und spricht sich mit den Bauern und Drohnenpiloten ab. Die Wiese in Nümbrecht soll heute Nachmittag gemäht werden. Auf 20 Metern Höhe zieht Mürmanns Drohne langsam ihre Bahnen. Die eingebaute Kamera übermittelt dem Piloten ein Bild. Konzentriert blickt er auf das quadratische Display vor sich.

Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von Stephan O. , 11:41 Uhr

Ein kleine Korrektur des Berichts:

Auf dem Foto nutzt Herr Mürrmann eine Phantom 3 Standard. Dies liegt bei 499 bis 549€ und nicht bei 2.000€ ;-)

Antwort von Andreas W. , 10:39 Uhr

…Endlich mal ein wirklich nützlicher Anwendungszweck für Drohnen…