CRN Exklusivinterview mit Michael Zawrel, Product Manager Holo Lens und Devices bei Microsoft: »Das Potential von Mixed Reality ist nahezu unbegrenzt«

Die Technologien um Virtual- und Augmented Reality erleben gerade ein Revival. Mit der HoloLens hat Microsoft ein Device auf den Markt gebracht, das beide Realitäten vereint. Im CRN-Interview verrät Michael Zawrel, Product Manager HoloLens und Devices bei Microsoft, mehr über diese Technologie und ihre Einsatzmöglichkeiten, aber auch welche Hürden es in der weiteren Entwicklung noch zu nehmen gilt.

(Foto: Microsoft)

CRN: Herr Zawrel, welche Vor- und Nachteile haben Virtual(VR)-und Augmented Reality(AR)?

Michael Zawrel: VR erlaubt eine ausschließlich immersive Erfahrung: Das Eintauchen in einen virtuellen Raum vollkommen abgekapselt von der physischen Realität. Von Vorteil ist hier, dass man sich ganz auf ein Erlebnis einlassen kann und muss, wodurch die Erfahrung intensiver wird. Klar, dass Anwendungen aus dem Bereich Spiel und Unterhaltung sich hier besonders eignen. Aber es gibt auch andere Anwendungsbereiche, wie beispielsweise bei der Therapie von Flug- oder Höhenangst, bei der eine Simulation der Realität von Vorteil ist. Bei AR liegt der Mehrwert in der Anreicherung der physischen Realität mit digitalen Inhalten.

CRN: Wie weit ist die Entwicklung hinsichtlich AR beziehungsweise VR?

Zawrel: Wir stehen erst am Anfang einer spannenden Reise. Die Kreation alternativer Realitäten ist ja an sich nichts Neues, technische Innovationen erlauben uns aber heute eine Weiterentwicklung bekannter Technologien. Das macht die Faszination aus. So werden gänzlich neue Erfahrungen wie Mixed Reality (MR) möglich, bei denen die Grenzen zwischen der physischen und der digitalen Welt verschwimmen. Im Bereich MR sehen wir zukünftig ein großes Potential für den Markt, denn es verbindet beide Technologien und vermischt die digitale mit der physischen Welt. Über diese Vermischung können Nutzer unter anderem die reale Welt erstmals mit digitalen Inhalten wie 3D-Hologrammen anreichern und erhalten eine völlig neue Plattform für die Interaktion und Zusammenarbeit. Microsoft hat es sich zum Ziel gesetzt, diese MR- Technologie für jedermann zugänglich zu machen. Grundlage hierfür bildet die Plattform Windows Mixed Reality, die nahezu auf jedem Gerätetyp laufen kann: Mit der Microsoft »HoloLens« haben wir die MR-Technologie für deutsche Entwickler und Unternehmen bereits im letzten Jahr eingeführt. Günstige Head-Mounted-Displays (HMDs) unserer Hardware-Partner und passendes Zubehör wie die Windows-Mixed-Reality-Motion-Controller machen die Technologie ab diesem Jahr auch für Privatkunden verfügbar.

CRN: Was ist mit der Holo Lens bereits möglich?

Zawrel: Microsoft Holo Lens ist der weltweit erste kabellose und eigenständige holografische Computer auf Basis der Windows Mixed Reality Plattform. Er richtet sich vor allem an Entwickler sowie Unternehmen und erlaubt die Einblendung von hochauflösenden Hologrammen in der realen Welt sowie die Interaktion mit den 3D-Objekten via Sprach-, Blick- und Gestensteuerung. So lassen sich Hologramme beispielsweise über gezielte Handgriffe im physischen Raum völlig frei bewegen, positionieren oder in der Größe verändern. Gewohnte PC-Anwendungen wie beispielsweise die Skype-Videotelefonie lassen sich damit gänzlich neu erleben. Für den Unternehmenseinsatz erlaubt das Gerät zum Beispiel die Entwicklung von digitalen Zwillingen – sprich virtuelle Kopien von physischen Objekten – die als Prototypen genutzt werden können und so die Produktentwicklung wesentlich vereinfachen.

CRN: Welche Einsatzszenarien gibt es für den holografischen Computer bereits?

Zawrel: Seitdem wir mit der Auslieferung der Microsoft »HoloLens Development Edition« begonnen haben, erhalten wir eine sehr hohe Resonanz von Entwicklern, welche über die Kombination von realer und digitaler Welt innovative Lösungen kreieren. Die Fluggesellschaft Japan Airlines beispielsweise nutzt die Microsoft HoloLens, um ihre Mechaniker und ihr Bordpersonal zu trainieren. Oder Firmen wie Thyssenkrupp, die Microsoft HoloLens bei der Aufzugwartung oder der Fertigung von individuell passenden Treppenliften einsetzen. Es finden sich aber auch Beispiele von Medizinstudenten, welche die neue Technologie verwenden, um Anatomie auf eine völlig neue Weise zu lernen oder Astronauten der NASA, die damit den Mars erkunden. Schon anhand dieser vielfältigen Szenarien ist erkennbar: Das Potential von MR ist nahezu unbegrenzt und Anwendungsbeispiele für alle Lebensbereiche und Industriezweige denkbar.

CRN: Bei aller Euphorie steht die Entwicklung trotzdem noch am Anfang. Auf welche Problematiken beziehungsweise Hürden stoßen Sie?

Zawrel: Das Spannendste an grundlegend neuen Technologien wie der Microsoft HoloLens ist stets auch die größte Herausforderung: Am Anfang gibt es wenig konkrete Erfahrungswerte und es gilt herauszufinden, welches tatsächliche Potential in einem Produkt steckt. Gemeinsam mit Partnern und Unternehmen arbeiten wir seit dem Erscheinen der HoloLens im letzten Jahr konstant daran, Grenzen auszuloten und den Mehrwert der Technologie gezielt zu vermitteln. Nur so kreieren wir Begehrlichkeiten und machen die neue Plattform auch attraktiv für Entwickler, was die Entstehung von passenden Anwendungen fördert. Die bereits aufgeführten Referenzbeispiele, die konstant hohe Nachfrage seit Marktstart und vor allem das positive Feedback unserer Unternehmenskunden zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Zudem unterstützen wir seit diesem März unsere deutschen Firmenkunden über das »Agency Readiness Partner Programm« bei der Entwicklung von eigenen Anwendungen für die Microsoft HoloLens – zusammen mit unserem Partner, der Zühlke Engineering GmbH. Gemeinsam mit unseren Hardware-Partnern wie Acer, Asus, Dell, HP oder Lenovo wollen wir die MR-Technologien nun künftig auch für Privatkunden zugänglich machen, indem wir günstige HMDs auf Basis von Windows Mixed Reality in diesem Jahr auf den Markt bringen.