Radarsignale statt Videodaten: Exakte Positionsbestimmung für autonome Fahrzeuge

Einen Schub für das automatisierte Fahren versprechen sich Bosch und Tomtom. Die beiden Unternehmen haben eine Karte für automatisiertes Fahren mit Radarsignalen entwickelt.

Karte für automatisiertes Fahren auf Basis von Radarsignalen.
(Foto: Bosch)

In der Entwicklung von hochauflösenden Karten für automatisiertes Fahren haben Bosch und der niederländische Kartenanbieter Tomtom nach eigenen Angaben nun einen Durchbruch erzielt. Den Unternehmen ist es gelungen, die für solche Karten erforderliche Lokalisierungsschicht auf Basis von Radarsignalen zu erstellen. Bislang werden dafür Videodaten genutzt. Die sogenannte Lokalisierungsschicht ist der Teil einer Karte, die dem Fahrzeug die eigene Positionsbestimmung auf der Straßenumgebung ermöglicht.

Die Bosch Radar Road Signature setzt sich aus Milliarden von einzelnen Reflexpunkten zusammen. Diese Reflexpunkte entstehen überall dort, wo Radarsignale zum Beispiel auf Leitplanken oder Verkehrsschilder treffen und bilden so den Verlauf einer Straße nach. Damit können nach Angaben des Herstellers automatisiert fahrende Autos bis auf wenige Zentimeter genau in der Fahrspur positioniert werden.

»Die Radar-Straßensignatur ist ein Meilenstein auf dem Weg zum automatisierten Fahren. Damit werden sich automatisiert fahrende Autos jederzeit zuverlässig lokalisieren können«, erläutert Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel. Der große Vorteil der Bosch Radar Road Signature sei ihre Störunanfälligkeit. Anders als mit Karten, die für die Fahrzeuglokalisierung ausschließlich auf Videodaten basierten, funktioniere die Lokalisierung mit der Radar-Straßensignatur zuverlässig auch nachts sowie bei schlechter Sicht.

An der Radar-Straßensignatur und ihrer Integration in die hochauflösende Gesamtkarte von Tomtom haben beide Unternehmen seit Juli 2015 gearbeitet. Die Herausforderung lag nach Angaben der beiden Anbieter vor allem darin, die bestehenden Radarsensoren quasi umzupolen. Beim Einsatz für Fahrerassistenzsysteme wie ein automatisches Notbremssystem oder eine Abstands- und Geschwindigkeitsregelung ACC erkennen die Sensoren sich bewegende Objekte. Zum Erstellen der Radar Road Signature müssen dagegen statische Objekte erfasst werden. Das hat zu Modifikationen der Radarsensoren geführt, welche nun praxistauglich sind. Spätestens 2020 sollen nach Einschätzung von Bosch und Tomtom in Europa und den USA erste Fahrzeuge Daten für die Radar Road Signature liefern.