Kommentar zur Drillisch-Übernahme: Dommermuth kauft sich stabile Preise

Mit der 2,2 Milliarden Euro teuren Drillisch-Übernahme macht United Internet-Chef Dommermuth die Firmengruppe langfristig zukunftssicher. Die Zeit der Preiskämpfe im Mobilfunkmarkt geht jetzt zu Ende.

Vorausschauender Stratege: UI-Chef Ralph Dommermuth
(Foto: United Internet)

Ein Paukenschlag war es, für den United-Internet-Chef Ralph Dommermuth Ende vergangener Woche mit der Ankündigung sorgte, dass der Mobilfunkprovider Drillisch mehrheitlich von United Internet übernommen werde. Geschickt gelingt es dem Milliardär aus Montabaur immer wieder, seine Firmengruppe zu vergrößern und dabei strategisch noch zukunftssicherer auszurichten – Chapeau! Das funktioniert nach einem klaren Muster: Erst erfolgt eine Minderheitsbeteiligung, später dann die mehrheitliche Übernahme. So geschehen bei Versatel und jetzt auch bei Drillisch.

Mit der Versatel-Übernahme ist es United Internet gelungen, das zweitgrößte, deutsche Glasfaser-Netzwerk zu sichern. Damit wird die gesamte Firmengruppe unabhängiger von den Vorleistungen der Telekom und anderer Carrier. Mit 1&1 Versatel positioniert sich die Gruppe als ernstzunehmender Anbieter auch im Businesskundenbereich, verfügt darüber hinaus für die gesamte Gruppe über leistungsfähige Leitungskapazitäten. Durch den Drillisch-Deal stärkt sich United Internet nun auch im Mobilfunk.

United Internet bietet hier bisher über die Tochter 1&1 Mobilfunkverträge an, die entweder über das Vodafone-Netz oder über Telefónica laufen. Künftig kann Dommermuth den Vodafone-Anteil zurückfahren, ohne den Kunden ein schlechteres Produkt anbieten zu müssen – im Gegenteil.

Schnelles Drillisch-Netz

Vodafone gewährt seinem Vertragspartner 1&1 bis dato keinen Zugriff auf das LTE-Netz. Die Geschwindigkeiten im mobilen Internet sind folglich eingeschränkt. Im Telefónica-Netz darf 1&1 zwar auf LTE zugreifen, aber auch hier nicht immer in der Höchstgeschwindigkeit. Das verbessert sich durch die Drillisch-Übernahme, denn unter den strengen Augen der Wettbewerbshüter musste Telefónica nach der E-Plus-Übernahme dem Provider Drillisch deutlich bessere Bedingungen zugestehen. Der Drillisch-Vertrag behält auch nach der Übernahme Gültigkeit, heißt es bei dem Unternehmen. Hierüber hat sich Dommermuth mit Telefónica im Vorfeld abgestimmt – ansonsten hätte er wohl keine Übernahme-Vereinbarung bei Drillisch-Chef Vlasios Choulidis unterschrieben.

Auf diese Weise wird es Dommermuth gelingen, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Abhängigkeit zu Vodafone sinkt, den Kunden kann schnelles LTE und in Zukunft sicherlich auch 5G über das Telefónica-Netz angeboten werden. Gleichzeitig – und das ist auch eine gute Nachricht für den Channel – kann der Preiskampf im Mobilfunkmarkt zumindest begrenzt werden: Vor allem Drillisch bot bisher mit seinen Marken, darunter Smartmobil, Winsim und Premiumsim, extrem günstige Mobilfunktarife. »Ich sehe ganz klar keine weiter sinkenden Preise«, sagte Dommermuth unmittelbar nach Bekanntgabe der Übernahme des Mobilfunkanbieters Drillisch. »Drillisch und wir operieren in einer Preisregion, die schon sehr günstig ist«.

Weniger Wettbewerb - stabile Preise

Die Konsolidierung im Mobilfunkmarkt wird mittelfristig zu weniger Wettbewerb und steigenden Preisen führen. Das klassische Privat- und Businesskundengeschäft wird tendenziell stagnieren – Zuwächse wird es hauptsächlich durch ein breiteres Angebotsspektrum geben, das erst mit der 5G-Technologie vollumfänglich möglich wird. Im Mobilfunkgeschäft nähert sich die Konsolidierungsphase damit dem Endpunkt: Von ehemals mehr als zwei Dutzend Service-Providern sind nur noch Freenet und United Internet übrig geblieben.